Nein, danke.

Ich bin ein Techie, und als solcher bin ich es gewohnt meine Entscheidungen und Meinungen möglichst sachlich aufgrund von Zahlen, Daten und Fakten zu bilden. Das heißt: wenn jemand eine in meinen Ohren merkwürdige Aussage trifft, überprüfe ich anhand der mir zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, ob die Aussage stimmt oder nicht. Für eine lange Zeit ging ich davon aus, dass die Mehrheit der Menschen es genau so macht. Weiters ging ich davon aus, dass Menschen, die sich in sozialen Medien wie Twitter engagieren, grundsätzlich an einem ergebnisoffenen Meinungsaustausch interessiert sind und sich ebenfalls an diese Spielregeln halten.

Ganz großer Fehler.

Ich lernte dann nämlich schnell eine ganze Welt von Spielern und Regeln kennen, in der für Menschen nicht Zahlen, Daten und Fakten ausschlaggebend sind, sondern der Erhalt von Weltbildern, Dogmen und Egos. Weiterlesen

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Betonköpfe

Eine kurze Geschichte:

In einem Blog wird ein Comic veröffentlicht, in dem eine Naziblume zum Stein des Anstoßes wird. Es ist nämlich rassistisch/rechtsextremistisch/problematisch, Nazis in einem Wort mit einer Blume zu nennen. Muss man wissen.

Das ist aber minichten der einzige problematische Comic auf diesem Blog, und irgendwann stellt ein anonymer Wächter des Guten eine durchdachte und argumentativ gut begründete Anklageschrift zu diesem Blog zusammen. Diese verbreitete sich sehr schnell über soziale Medien, und listet die problematischsten der rassistischen/rechtsextremistischen/problematischen Comics unter den jeweiligen Gedankenverbrechen, die darin begangen werden. So gibt es zum Beispiel gleich mehrere Einträge unter so schockierenden Untaten wie „Behauptung von Sexismus gegen Männer“ oder „Konkrete maskulistische Positionen“. Das sind sehr schwere Vergehen, muss man wissen.

Das Resultat: das Internet solidarisiert sich mit dem hetzerischen Blog, dessen Autorin daraufhin die größe ihrer Gefolgschaft mehr als verdoppeln konnte.

Und alle lebten glücklich und zufrieden bis ans Ende ihrer…

…das heißt: alle, bis auf die Wächter des Guten. Die sind nämlich gar nicht erfreut über diese unerwartete Welle des Hasses, die sie hier erlebt haben. Es ist nämlich Hass, wenn man die Warnungen eines Wächters des Guten nicht für bare Münze nimmt und sich selbst ein Bild macht, bevor man zu Fackeln und Mistgabeln greift, muss man wissen.

Spannend an dieser Geschichte finde ich zwei Dinge:

  1. Die Wächter des Guten haben offenbar das Vertrauen der breiten Masse verloren.
  2. In den „verfeindeten“ Lagern gibt es nicht nur Betonköpfe.

Was den Beginn eines Dialoges bedeuten könnte, und dass einige bemerken, dass die Anderen in Wirklichkeit so anders gar nicht sind. Und dass das bisherige aneinander Vorbeireden vielleicht auch davon kommt, dass man den jeweils anderen nur deshalb als Betonkopf gesehen hat, weil man selber einer war.

Der Kommentator maddes8cht hat das sehr schön auf den Punkt gebracht, indem er der Autorin des Blogs dort antwortet:

“Dieses Phänomen, jede Äußerung, jede Haltung, so differenziert und selbstreflektorisch sie auch sein mag, immer noch unbedingt negativ zu interpretieren, ist typischer und fester Bestandteil der antifeministischen Ideologie”

Nein, dieses Phänomen ist ein allgemeines psychologisches Phänomen von Gruppendynamik und weder auf antifeminismus noch auf feminismus begrenzt, sondern findet sich in jeder konfrontativen diskussionssituation. Dein eigener eben zitierter Satz ist ein Beispiel dafür. Auch du wertest mit deinem Satz die Aussage Deines Gegenübers in einer so fundamentaler Weise ab, wie sie es nicht verdient hat.

Wäre schön, wenn wir von der allgemeinen Gesprächsverweigerung weg kommen könnten und einsehen, dass nicht immer nur die anderen Beton im Schädel haben.

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Die heilige Kirche des Netzfeminismus

Trifft den Nagel auf den Kopf.

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Alles perfekt gegendert

Wenn man etwas oft genug gehört hat, wird es irgendwann zu vermeintlichem Allgemeinwissen. Ein Beispiel dafür ist der Gender Pay Gap: zwei mal im Jahr schießen die Medien aus allen Rohren, um uns das Märchen zu erzählen, dass Frauen für die gleiche Arbeit 22% weniger verdienen als Männer. Viele glauben es, obwohl es nicht stimmt. Oder das Märchen von der bösen Pharmaindustrie, die ADHS erfunden hat um uns Ritalin verkaufen zu können.

Zu solchen Themen haben die meisten Menschen einen Bezug, wodurch es ihnen möglich ist, das Märchen rational zu erfassen und selbst zu beurteilen, wie viel Wahrheit darin enthalten ist. Bei anderen Themen kann das Gegenteil der Fall sein: was richtig und falsch ist, kann unserem eigenen Empfinden zuwider laufen. Ein Beispiel dafür ist eine psychiatrische Abteilung in einem Krankenhaus, in der verwirrte Patienten über Nacht ans Bett gefesselt werden. Unser erster Instinkt: „Schlimm, die armen wehrlosen Menschen, eh schon verwirrt und werden vom bösen Personal gequält!“ Woran aber kaum jemand denkt ist, dass man damit die Patienten vor sich selbst schützt. Wenn die nämlich aufstehen und unbemerkt die Station verlassen, überleben sie die Nacht nicht. Weil sie eben verwirrt sind – und im Nachthemd erfrieren würden.

Psychotherapeuten und Psychiater haben beruflich sehr häufig mit genau solchen Dingen zu tun, die sich Laien nur schwer vermitteln lassen. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil in den mainstream-Medien genau diese Sachverhalte häufig falsch oder verzerrt dargestellt werden, die sich dann ähnlich falsch oder verzerrt als „Allgemeinwissen“ oder als „Bauchgefühl“ in den meisten Menschen verfestigen.

So ein „Allgemeinwissen“ ist auch, dass sexueller Missbrauch ausschließlich von männlichen Tätern begangen wird. Eingeprügelt wird es uns durch Fernsehspots wie diesen hier, oder durch eine Berichterstattung, die z.B. sexuellen Missbrauch durch Lererinnen an Schülern als Nachhilfeunterricht beschreibt („Sie brachte ihm das Sexmalsex bei„), bis hin zu Gerichtsverhandlungen, in denen selbst ein Staatsanwalt nicht von einem Verbrechen sprechen will, wenn eine 29 jährige Frau einen 13 jährigen Jungen verführt – undenkbar, wenn die Geschlechter vertauscht wären.

Eine Frau als Täter… Täterin? Bei sexuellem Missbrauch? Gibt es nicht.
Sollte man meinen.

Psychologen wissen, dass diese Darstellung von ausschließlich männlichen Tätern nicht der Realität entspricht, und es selbstverständlich auch Täterinnen gibt.
Sollte man meinen.

Nun aber wirbt ausgerechnet die Akademie der Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (VÖPP) wie folgt:

Die Begutachtung und Psychotherapie des Sexualstraftäters

Einführende Seminare für die/den Psychotherapeutin/en

Die Spezialisierung im Bereich der psychotherapeutischen Forensik wird erstmals für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten angeboten und ist eine Bereicherung für alle, die im Strafvollzug mit „Tätern“ oder im Kontext von Gewaltdelikten bzw. von sexuellen Missbrauch arbeiten möchten und/oder beschäftigt sind sowie für psychotherapeutische Gutachterinnen und Gutachter, die ihr Repertoire gerne erweitern möchten. Diese Seminarreihe stellt den Beginn zu weiteren vertiefenden forensikrelevanten Seminaren für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten dar.

(Hervorhebungen von mir)

Alles perfekt gegendert.
Nur der Täter nicht.

In der ganzen Ausschreibung wird penibel genau darauf geachtet, die weibliche und die männliche Form zu verwenden, zudem wird die weibliche Form politisch korrekt zuerst genannt. Gezählte 4 mal in gezählten 3 Sätzen, die nicht gegenderte Überschrift nicht mitgezählt. Nur der Täter ist – ausschließlich – männlich.

Das ist nicht passiert, und es ist kein Flüchtigkeitsfehler. Jemandem, der hauptberuflich genau damit zu tun hat, kaufe ich das nicht ab. Das wurde bewusst so formuliert.

Scheinbar stimmt nun auch die Akademie der Vereinigung Österreichischer Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten in den Kanon der falsch informierten mainstream-Medien ein. Und das ausgerechnet in Österreich, wo Sigmund Freud die Psychoanalyse begründete.

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Wenn in 15 Jahren mehr Frauen als Männer…

…Lungenkrebs bekommen werden, dann ist das schon heute eine Meldung wert.

Heute hörte ich im Radio:

Der Anstieg der Neuerkrankungen an Lungenkrebs bei Frauen hat sich in den letzten Jahren mehr als verdoppelt.

Der Anstieg – also eine Zahl, das mit der absoluten Anzahl der Erkrankungen erst mal nichts zu tun hat. Da im Radiobericht geflissentlich verschwiegen wurde wie es denn mit den absoluten Zahlen aussieht, und ich beim Thema Frauen im ORF mittlerweile hellhörig bin, habe ich den online-Beitrag des ORF gelesen. Und immerhin – dort steht im ersten Absatz:

Laut den Daten des Krebsregisters werden pro Jahr rund 1.600 Neuerkrankungen von Frauen an Lungenkarzinomen verzeichnet. Bei den Männern sind es mit rund 2.700 Fällen pro Jahr noch immer deutlich mehr.

Also entfallen derzeit 63% der Neuerkrankungen auf Männer. Aber das ist Nebensache, wie gesagt war es im Radio nicht erwähnenswert. Die berichtenswerte und alarmierende Nachricht ist folgende:

Die im Auftrag des Gesundheitsministeriums erstellte Prognose zeigt aber, dass die Neuerkrankungen an Lungenkrebs bei Männern bis 2030 kaum noch steigen werden.

2020 werden es laut Prognose 2.948 Fälle, 2030 werden es 2.958 sein. Bei Frauen dürfte es im Jahr 2030 um 250 Lungenkrebserkrankungen mehr als bei Männern geben, nämlich 3.208.

Dass es jetzt, heute, aktuell, Männern mit Lungenkrebs offenbar schlechter ergeht als Frauen – egal. Aber himmelherrgott tut doch was gegen Lungenkrebs bei Frauen, sonst erkranken in 15 Jahren gar mehr Frauen als Männer daran!

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Kritik ist auch Wertschätzung

Wer ernst genommen werden will, muss mit Kritik umgehen können. Man kann nicht einerseits verlangen, als Erwachsener behandelt zu werden und andererseits jede Kritik mit Totschlagargumenten (wie zum Beispiel „Hass“ oder „Misogynie“) niederknüppeln.

Wenn ein kleines Kind einen krummen Strich auf ein Papier malt und dann sagt „schau Mama, eine Blume!“ Dann wird die Mama natürlich das Kind und die schöne Blume loben. Wenn dieses Kind erwachsen wird, und dann einen Strich auf einen Zettel malt und sagt „schau, eine schöne Blume!“ – dann gibt es drei mögliche Reaktionen: entweder der Betrachter hält den Maler für einen Idioten, dann wird er die schöne Blume loben und den Maler dazu. Oder der Betrachter ist selbst ein Idiot und hält den krummen Strich für eine Blume. Nimmt er sich selbst und den Maler jedoch ernst, dann wird er sich kritisch mit dem Kunstwerk auseinander setzen, und vielleicht fragen, warum der Maler hier eine Blume erkennt. Das hat nichts mit Hass oder mit Verachtung des Malers zu tun, sondern ist ein Zeichen der Wertschätzung, die der Betrachter gegenüber dem Künstler oder seinem Werk hat.

Das gleiche gilt, wenn z.B. eine Akademikerin im Internet irgendwelche Theorien postuliert, die sie durch nichts als durch weitere Theorien belegt. Eine Kritik daran zeigt zumindest, dass sich jemand damit auseinandergesetzt hat. Die Kritik kommt nicht weil sie eine Frau ist, sondern obwohl sie eine Frau ist – sofern das Geschlecht der Autorin überhaupt eine Rolle spielt. Weil sie ernst genommen wird. Wer diese Kritik als Misogynie oder als Hass abtut, der verlangt in Wahrheit, dass diese Akademikerin entweder als Kleinkind oder als Idiotin behandelt werden muss – nicht jedoch als Erwachsene, der Mann Kritik zumuten darf.

Wer für alles was er tut nur Lob und Jubel erlaubt, will wie ein kleines Kind behandelt werden – nicht wie ein ernst genommener Erwachsener. Er sollte sich dann aber nicht mehr wundern, wenn er irgendwann genau so behandelt wird.

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Der DAV über die Verbindung von Idiotie und Fanatismus

In einem Beitrag des Deutschen Arbeitgeber Verbandes (DAV) beschreibt dessen Präsident, Peter Schmidt, ein Problem unserer Gesellschaft in erfrischender Deutlichkeit:

Eine Unzahl als Therapeuten kostümierter Pflegebedürftiger beherrscht die politische Entscheidungswelt und viele dieser Hochstapler haben es bis in die höchsten politischen Entscheidungsgremien gebracht. Die Ideologie und Phraseologie der damaligen Zeit wurde zwar ein wenig durchgerüttelt – aus der Bourgeoisie ist jetzt der „Weiße Mann“ geworden – aber alles in allem haben sich die Krankheitsbilder erhalten beim berühmten Marsch durch die Institutionen.

Er nennt einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, die aufzeigen, mit welchen nicht-Problemen die Öffentlichkeit von einer kleinen Gruppe ideologisch vernagelter Agitatoren belastet wird:

Wir bauen für 400.000 Euro Fledermausbrücken, weil uns die Sorge um diese Tiere um den Schlaf zu bringen scheint und wir schreddern in Windwahnparks gleichzeitig hunderttausende Tiere ohne jedes Mitgefühl. Wir opfern hunderte Milliarden Euro für eine Energiewende, die unsere Volkswirtschaft und Millionen Arbeitsplätze den Kopf kosten kann. Wir glauben an 46 Geschlechter, investieren Millionen in die Umrüstung von Ampelmännchen auf Ampelfrauchen, werfen ein Vermögen zum Fenster heraus für eine Voodoo-Genderforschung, die nichts weiter als ein in-sich-geschlossenes-Illusionssystem bedient.

Schmidt befürchtet, dass unsere Gesellschaft allmählich die Fähigkeit verliert, sich aus eigener Kraft gegen diese Agitatoren zu wehren. Denn scheinbar reicht es zur Legitimierung, wenn die Agitatoren von sich behaupten die Interessen der Mehrheit zu vertreten, ohne diesen Anspruch je zu belegen. Funktionieren kann das nur, weil es von einer korrumpierten Medienlandschaft unterstützt wird, die von den selben Ideologen geleitet wird. Und dass der Graben zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung immer breiter wird interessiert die nicht.

Interessant ist zudem, dass die Fanatiker-Rudel den rituell reklamierten „Volkswillen“ nur in den seltensten Fällen repräsentieren. Bei Stuttgart21 konnte dies sogar durch einen Volksentscheid belegt werden. Bei allen anderen Themen hilft eine traditionell links-grüne Medienlandschaft, das Mißverhältnis zu verschleiern. Seit 20 Jahren sind zum Beispiel fast 70 Prozent der Frauen – konstant – gegen eine Quote. „Durchregiert“ wird trotzdem gegen Volkes Wille.

Der Text von Peter Schmidt ist zur gänze lesenswert.

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