Macker, Dudes und Männchen schaden dem Feminismus

Mir fällt auf, dass sich eine kleine aber laute Minderheit von Feministen besonders durch Verachtung hervortut, womit sie von vornherein einen ernsthaften Dialog auf Augenhöhe verhindert. Diese Verachtung trifft auch Frauen, hauptsächlich aber Männer.

Vielen fällt es schon schwer, das Wort „Mann“ als selbstverständliches Substantiv zu verwenden. In ihren Texten kommt es, wenn überhaupt, nur mit negativen Adjektiven vor. Stattdessen liest man häufig so wertschätzende Synonyme wie (in alphabetischer Reihenfolge): Allies, Boys, Dudes, Kerle, Macker, Männchen, Mansplainer, Maskus, Privilegienpenis, Typen.

Male Allies

Gleichzeitig gibt es aber auch Aktivisten, die wirklich glauben, dass ihr Feminismus sich für alle einsetzt. Wie passt das mit dieser Verachtung der halben Menschheit zusammen?

Der Feminismus ist eine Bewegung, die grundsätzlich überfällig und richtig war und in unserer Gesellschaft sicher einiges zum besseren verändert hat. Aber er wird in ihr den Rückhalt verlieren, wenn er es nicht schafft den schlechten Ruf wieder zu verlieren, den er sich mit männerhassenden Aktivisten eingehandelt hat.

„We are perceived as angry, defensive and treating men as the enemy.“

Diese Verachtung trifft keineswegs nur die bösen Männer, gegen die der Feminismus leider ankämpfen muss weil sie bekanntlich Soldaten des Patriarchates sind. Es werden auch deklarierte Freunde und Mitstreiter des Feminismus offen mit Häme überzogen und behandelt wie kleine Kinder: nur wenn man schön brav ist, bekommt ein Allie Kekse von den Mamas. Man(n) muss viel ertragen, um den Ehrentitel „Allie“ überhaupt tragen zu dürfen.

Wenn ein_e Feminist_in dir sagt, dass du Mist gebaut hast: denk darüber nach. Setz dich damit auseinander. Jammer nicht rum, dass mann es diesen Feminist_innen ja nie rechtmachen kann.

Was ist das überhaupt für eine beschissene Anspruchshaltung? Dude lässt sich dazu herab, einen Finger krummzumachen, und die Damen*welt soll ihm gefälligst zu Füßen liegen dafür?

In diesem Klima des gegenseitigen Respektes wundert es dann vielleicht auch nicht mehr, dass ein Mann, der über Probleme berichtet, die er als Mann im selbst verschuldeten Patriarchat hat, dafür nur Spott und Hohn erntet und Feministinnen sich an „male tears“ ergötzen.

Im Volksmund würde man jemanden, der sich am Leid anderer erfreuen kann, einen Sadisten nennen.

Frisch abgefüllt: White male tears.

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Die selben Leute halten im Netzfeminismus aber allen Ernstes Vorträge über Hass im Internet („hate speech“) – Hass, der selbstredend nur von den bösen anderen verbreitet wird. Dass man seinen eigenen mit einer feinen Prise Rassismus gewürzt hat fällt dem toleranten Publikum schon gar nicht mehr auf. Wie gesagt, böse sind ja nur die anderen.

Ein anderes Beispiel für die grundsätzliche Wertschätzung, die Netzaktivisten dem männlichen Geschlecht entgegenbringen, war ein kurz aufflammendes Meme auf Twitter. Laut dem/der/dem Initiator*In sollte es

„gar nicht um reale Exfreunde, sondern um heteronormative Cis-Het-Dudes gehen. Es gibt sie in unterschiedlichen Variationen, vom FPD-Mansplainer bis hin zum Antifa-Macker. Kritisiert werden sollen all diese Formen von weißer Männlichkeit, die uns im Alltag begegnen und uns nerven.“

Die Aktion #MeinEx ging nach hinten los und wurde wieder abgeblasen, in einem Kommentar erklärt der/die/das Initiator*In:

„Die Abwertung von Frauen* wollte ich damit nicht implizieren“

Um Himmels willen, da könnte doch glatt der Eindruck entstanden sein es würde an zivilisierten Umgangsformen mangeln! Also wird schnell herumgerudert bevor sich irgendwo eine Frau eventuell verunglimpft sehn könnte, nachdem man einen Text geschrieben hat in dem Männer als belastende Väter, heteronormative Cis-Het-Dudes (deren Äußerungen übrigens mit Hundescheiße auf einem alten durchgekauten Kaugummi gleichzusetzen sind), FPD-Mansplainer, Antifa-Macker, Dudes mit wahrscheinlich ignoranter Männlichkeitsperformanz und natürlich Maskus bezeichnet hat.

Ich vermute, dass es sich hier meistens um übereifrige Mitglieder einer kleinen aber lauten Minderheit im Feminismus handelt. Jedoch ist der Imageschaden, den der Feminismus durch diese Querulanten erleidet, real und auch nicht zu unterschätzen. Aber warum gibt es in einer Bewegung, die vorgibt auf Gleichstellung zwischen Mann und Frau ausgerichtet zu sein, so viel Geringschätzung für Männer?

Ist es im Sinne einer Gleichstellung, dass man die Partei, mit der man Gleichgestellt sein möchte, regelmäßig verunglimpft? Wie nützt das dem Feminismus?

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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10 Antworten zu Macker, Dudes und Männchen schaden dem Feminismus

  1. achdomina schreibt:

    „Allies“ gehört m.E. nicht in die Aufzählung ganz oben. Allies sind halt Alliierte, das ist nicht per se abwertend, oder?

    Im Übrigen denke ich, hat der Begriff „Feminazis“ durchaus seine Berechtigung. Nicht für alle Feministinnen, aber für die fanatischen Männerhasserinnen auf jeden Fall. Menschenverachtende Rhetorik, Ideologie fundamentaler Ungleichwertigkeit von Menschen qua Geburt, totalitäre Säuberungsphantasien, absolut gesetzte Gruppengrenzen … alles vorhanden.

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    • Martin Domig schreibt:

      Ich halte „Allies“ durchaus für abwertend, wenn auch subtiler: ein Feminist 2. Klasse.

      Es ist zwar nicht so krass wie „lila Pudel“, aber ein Allie kann, zumindest soweit ich das verstanden habe, schon mal keine Frau sein. Denn das wäre nämlich eine Feministin. Einen männlichen Feministen gibt es nicht?
      Und da gibt es noch die Kekse, die von den echten Feministinnen an Allies verteilt werden wenn sie besonders artig waren. Was die allies wie Kinder unter die echten Feministinnen (ab)wertet anstatt sie auf gleicher Augenhöhe zu sehen.

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      • ich meine auch, dass mit der Bezeichnugn als Allies einiges ausgesagt wird, insbesondere spricht es dafür, dass man ihnen nicht zuspricht Feminist zu sein.

        Damit geht eben auch einher, dass sie nichts zu sagen haben und nur helfen dürfen/müssen.

        Es ist aus meiner Sicht ein Zeichen einer gewissen Radikalität, wenn der Begriff verwendet wird

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  2. elyziumblog schreibt:

    „Allie“ ist in manchen Kontexten durchaus abwertend, bezeichnet es doch jemanden, dem ein autonomes und eigenständiges Handeln abgesprochen wird, der sich lediglich äußern darf, wenn es Feministinnen recht ist und der überhaupt nicht eigenverantwortlich entscheiden darf, Alliierter zu sein, sondern auch seine Existenz als Allie nur davon abhängig ist, ob Feministinnen ihn so betrachten.
    Das ist an sich logisch, da es die Machtstruktur zwischen Männern und Frauen umdreht: der Mann verzichtet bewusst auf eine dominante Rolle im weiblichen Empowerment, sondern dient passiv.
    Andererseits ist Allie auch nur derjenige, der es akzeptiert, Allie zu sein. Niemand ist gezwungen, sich für Feminismus einzusetzen, das betonen auch Feministinnen. Es ist schließlich ihr Kampf. Der Kampf gegen das Patriarchat drückt sich also erstmal in der Umkehrung des Verhältnisses zwischen Allie und Feministin aus.
    Dennoch würde ich Blogbeiträge wie den oben einbezogenen nicht zu ernst nehmen: es ist ein Rant im Internet. Im aggressiven Tonfall geschrieben, weil er die Aggressionen spiegelt, die die Autorin im tagtäglichen Alltag erlebt. D.h. ernst nehmen weil er etwas über die psychische Verfassung von Frauen aussagt, die tagtäglich mit Sexismus zu tun haben, allerdings nicht ernst nehmen in der Richtung, dass man der Autorin eine Männerfeindlichkeit unterstellt.

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    • Martin Domig schreibt:

      „Andererseits ist Allie auch nur derjenige, der es akzeptiert, Allie zu sein. Niemand ist gezwungen, sich für Feminismus einzusetzen, das betonen auch Feministinnen.“

      Das mag ja sein, aber die Tatsache, dass sich jemand freiwillig zweitklassig behandeln lässt ändert nichts daran, dass die Behandlung zweitklassig – und eben nicht wertschätzend ist. Und darum ging es mir im Text: um die freundliche Wertschätzung auf Augenhöhe, die einem entgegenschlägt wenn man sich mit diesen Grazien unterhält, und die jede Diskussion dahingehend unterstützt, dass im gegenseitig respektvollen Meinungsaustausch doch tatsächlich mal etwas bewegt werden könnte, und nicht durch pauschalisierte Anfeindungen von vornherein die Stellungen einbetoniert werden.

      Trotzdem noch ein, zweit Takte zu Alies:

      „Dennoch würde ich Blogbeiträge wie den oben einbezogenen nicht zu ernst nehmen: es ist ein Rant im Internet.“

      Stimmt, es ist ein Rant und folgerichtig auch polemisch. Aber die zugrundeliegende Verachtung sogar der befreundeten Männer steckt in dem Blogpost nicht deshalb, weil es ein Rant ist. Es ist radikalfeministische Doktrin. Auch gemäßigter formulierte Texte haben es in sich.

      Zum Beispiel hier: „Allies haben per Definition weniger Ahnung vom betreffenden Thema, weil sie nie nicht und nimmer davon betroffen sein werden.“ Das ist schon mal ein pauschaler Vorwurf von Empathieunfähigkeit gegenüber den Allies (der eigentlich gar nicht stimmen kann weil sie sonst ja keine wären).

      Oder da: „Bei manchen Themen ist es wichtig, auch mal den Mund zu halten. Es gibt Felder, die nur von Betroffenen besprochen werden sollten. Nur, weil du eine Meinung hast, musst du sie nicht immer äußern. Achte auch auf deine Sprache: Ist sie sexistisch? Drückst du dich geschlechtergerecht aus? Hälst du dich an die gewünschten Selbstbezeichnungen aller Personen?“ Passt du also ja schön auf, dass nicht deine Testosteronprivilegien mit dir durchgehen? Halt doch zur Sicherheit einfach mal die Klappe und sei gefälligst dankbar, dass wir dich nicht verscheuchen wie einen Straßenköter.

      Eine hübsche Linksammlung ähnlich gemäßigter Texte zum Thema Allies gibts übrigens hier.

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  3. Step II schreibt:

    „die vorgibt auf Gleichstellung zwischen Mann und Frau ausgerichtet zu sein, so viel Geringschätzung für Männer?“

    Natürlich setzt der Feminismus auf Gleichstellung. Das ist jedoch Ergebnisgleichheit und hat mit Chancengerechtigkeit nichts zu tun. Es ist letztendlich Privilegienfeminismus, dessen Ziel und Ergebnis die Frauenbevorzugung ist, dessen Ziel und Ergebnis die Männerdiskriminierung ist.
    Die Quote lässt grüssen

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    • Martin Domig schreibt:

      Ich hatte ganz bewusst GleichSTELLUNG geschrieben, weil es meiner Meinung nach das Problem noch deutlicher macht. Ich meine, dass insbesondere ein Feminismus, der auf GleichSTELLUNG abzielt, ein Problem mit der Verachtung des anderen Geschlechtes haben muss. Ansonsten würde er ja die Gleichstellung mit etwas verachtenswertem anstreben.

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  4. Pingback: Vernetzung innerhalb feminismuskritischer und männerrechtlicher Blogs | Alles Evolution

  5. St. Elmo schreibt:

    „Es reicht nicht, sich ein politisches Label aufzudrücken und zu glauben, damit sei mensch jetzt immun gegen Kritik und überhaupt der totale Supertyp“

    Selbstreflexion ist eindeutig ein Fremdwort für viele Feministinnen.

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