In der Schublade verlinkt

Heute morgen staunte ich nicht schlecht: unter dem Titel „Vernetzung innerhalb feminismuskritischer und männerrechtlicher Blogs“ hat Christian Schmidt von Alles Evolution hier her verlinkt. Erst mal freue ich mich, denn was so ein Link von einem der großen für ein kleines startup in der Blogosphäre ausmacht ist enorm: die Zugriffszahlen haben sich mal eben verdreifacht, von etwa 100 auf gut 300.

Bildschirmfoto 2013-11-24 um 19.46.07

Es hat mich aber auch zum Nachdenken angeregt, denn jetzt ist es wohl offiziell: ich bin in der Schublade „Männerrechtler“ gelandet, obwohl ich mich selbst nie so gesehen habe. Kritik am Feminismus? Ja, einverstanden – zerstörerische Ideologien gehören kritisiert.

Aber Männerrechtler? Wie konnte das passieren?

Grundsätzlich habe ich nichts gegen Schubladen, ich nehme sie als gegeben hin. Sie sind ein Teil des menschlichen Wesens: wir Menschen ordnen andere Menschen in Gruppen ein, weil dieses Verhalten tief in uns verwurzelt ist. Das ist weder gut noch schlecht – es ist einfach so, ein uralter Instinkt. Aber es ist das Etikett an der Schublade, das mich nachdenklich macht, da geht es mir ähnlich wie dem Wortschrank. Macht es nachdenklich, weil es vielleicht stimmt? Um das zu klären muss ich wohl ein Stückchen meiner Privatsphäre preisgeben:

Ich beschäftige mich erst seit 5 Monaten und 5 Tagen mit dem Feminismus. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Abend erinnern: ich saß bis lange nach Mitternacht alleine im Garten und dachte über die Zukunft unserer Gesellschaft nach. Und kam zu dem Schluss, dass ich es nicht mehr verantworten konnte nur zuzusehen und die Auswüchse des modernen Feminismus einfach so zu tolerieren. In dieser Nacht wurde ich zum offenen Kritiker am Feminismus. Denn die Zukunft steht auf dem Spiel, die Zukunft unserer Kinder.

Eines davon wurde in dieser Nacht geboren.

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der Psychologie kein Fremdwort ist. Nicht weil meine Eltern oder ich selbst zum Psychiater gingen, nein – viel schlimmer: meine Eltern sind Psychiater bzw. Psychologen. Ja, beide (das ist auch der Grund warum ich es nicht bin). Und ja, ich kenne den Witz schon, und nein, an uns wurden keine Psychopharmaka getestet (soweit ich weiß…) und nein, wir hatten keine Zwangsjacken zu Hause im Schrank und nein, ich kann nicht sagen ob es stimmt dass Psychiater alle selbst eine Macke haben. Ich bin da befangen. Was ich aber sagen kann ist, dass ich ein vermutlich anderes Weltbild habe als die meisten Menschen, und viele Dinge dementsprechend anders wahrnehme und in einem anderen Kontext sehe.

Eine dieser Wahrnehmungen ist die, dass in unserer ach so modernen Gesellschaft viele Dinge, die über Generationen hinweg als normal galten und sich etablierten, heute aus genau diesem Grund verpönt sind. Sie gelten als verstaubt. Als ewiggestrig. Als heutzutage-muss-das-doch-nicht-mehr-so-sein. Und so etablieren sich neue Normen und Gesetze, die dem modernen Zeitgeist entsprechen aber zum Teil in völliger Ignoranz gegenüber den langfristigen Folgen für die Gesellschaft teilweise immensen irreparablen Schaden anrichten.

Derzeit ist z.B. die Zerstörung des Wertes der Kernfamilie (Vater, Mutter, Kind) im Neoliberalismus durch den sakrosankten Feminismus ganz trendy: wir brauchen viele Arbeitskräfte, denn viele Arbeitskräfte sind billiger als wenige Arbeitskräfte. Also: auch die Frauen weg vom Herd und hin zur Arbeit (um den Herd kümmert sich notfalls eine andere billige Arbeitskraft). Die Babypause so kurz wie möglich halten, um die lebenssinnstiftende Karriere weiter voran zu treiben, ein Aufsichtsrat muss mindestens drin sein. Der moderne Sinn des Lebens besteht in der Selbstverwirklichung durch Arbeit.

Also ich weiss nicht, das verstaubte und ewiggestrige Bild von der Familie scheint mir da menschlich stimmiger zu sein. Ein menschliches Leben wird doch nicht von Arbeit bestimmt, die von Kindern unterbrochen wird. Menschlich ist das Gegenteil: die Kinder sind der Sinn, die Arbeit eine Notwendigkeit. Zum Glück wird das mittlerweile immer häufiger thematisiert, auch in Medien wo ich das nicht erwartet hätte.

Eine Methode der Zerstörung des Wertes der die Kernfamilie ist die gesellschaftliche Entwertung der Männer und Väter in der Familie. Und dagegen stelle ich mich. Wenn mich das in die Schublade der Männerrechtler fallen lässt, dann ist das kein Grund um mich zu schämen.

P.S: ich habe meine Blogroll auch auf Stand gebracht. Ich schätze jeden einzelnen dieser Blogs, auch wenn ich manchmal die dortige Meinung nicht teile. Aber selbst erwarte ich das auch von niemandem 🙂

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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7 Antworten zu In der Schublade verlinkt

  1. Die „und-Verknüpfung“ war gar nicht zwingend, sondern alternativ gemeint. Es kann sich also auch nur um feminismuskritische Blogs handeln. Ich habe die Überschrift da extra etwas weiter gefasst.

    Ich bin da durchaus auch für einen gemäßigten männerrechtlichen Bezug in Abgrenzung zum radikalmaskulistischen, der nur zu häufig in Frauenfeindlichkeit umschlägt

    Insoweit wäre humanistisch auch passend. Aber du scheinst ja wie man unten im Artikel sieht, die Einordnung auch nicht so schlimm zu finden

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    • Martin Domig schreibt:

      Ich denke, dass sich ohnehin jeder selbst ein Bild machen muss. Wer das nicht tut, sondern sich nur auf die „Schubladisierung“ durch andere verlässt, der hat auch das eigenverantwortliche Denken verlernt und kann mich nennen wie er will – das kümmert mich nicht 🙂

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  2. St. Elmo schreibt:

    Das Problem ist doch das Kinder und Haushalt in den Medien nur noch als Belastung dargestellt werden.
    Als unnötigen Balast den keiner Braucht und die Menschen(die Frauen, da sich Männer ja prinzipiell immer zu wenig an der Hausarbeit beteiligen) von der einzig seeligmachenden Möglichkeit, der Selbsverwirklichung durch Lohnarbeit abhalten.

    Da fragt man sich warum Arbeitgeber überhaupt noch Lohn bezahlen, eigentlich müsste man den Arbeitgebern doch Geld dafür geben dass sie einem die Selbstverwirklichung möglich machen.

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    • Martin Domig schreibt:

      Ja, die eigenen Kinder sind ein Haufen „Reproduktionsarbeit“ die man in der „Babypause“ macht.

      Seltsam ist aber, dass – obwohl die Kinder in der Politik als Belastung verhandelt werden – sich aber z.B. im Fall einer Trennung beide Elternteile um diesen „lästigen Klotz am Bein“ streiten anstatt froh darüber zu sein endlich wieder ungehindert der beruflichen Selbstverwirklichung fröhnen zu dürfen.

      Hier siegt doch noch die Menschlichkeit über die Ideologie.

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  3. St. Elmo schreibt:

    Wenn die Eltern die Trennung nicht auf dem Rücken der Kinder austragen bzw. die Kinder instrumentalisieren, dann siegt die Menschlichkeit.

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    • Martin Domig schreibt:

      Ja, natürlich. Ich wollte damit nur ausdrücken, dass das, was die Politik derzeit favorisiert, in der Bevölkerung gar nicht so ankommt. Während die politische Führungsriege das Betreuungsgeld als „Herdprämie“ diffamiert, kämpfen Eltern immer noch darum, die eigenen Kinder selbst betreuen zu können. Die Gesetzgebung geht an der Realität vorbei. Wir brauchen nicht mehr miese jobs um KiTas finanzieren zu können, sondern bessere Jobs um keine KiTas mehr zu brauchen. Nur widerspricht das der mainstream Ideologie der aktuellen Linken und den neoliberalen Bedarf an billigen Arbeitskräften und darf deshalb auch nicht laut ausgesprochen werden.

      Das Trennungskriege auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden, ist ein ganz anderes Thema. Meiner Meinung nach liegt hier das grundsätzliche Problem darin, dass Kinder als Recht der Eltern betrachtet werden. Es sollte aber so sein, dass Eltern ein Recht der Kinder sind. Die Kinderbetreuung dürfte nicht als „Recht“ betrachtet werden, sondern müsste vor dem Gesetz als Pflicht behandelt werden. Und das nicht nur in Form von Zahlscheinen, sondern mit persönlicher Einbeziehung beider Elternteile.

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  4. Step(hanus) II schreibt:

    „Menschlich ist das Gegenteil: die Kinder sind der Sinn, die Arbeit eine Notwendigkeit.“

    Interessant in dem Kontext ist ja, dass nur sehr wenige der meinungsbildenden Journalistinnen KInder haben, somit natürlich die „traditionelle“ Familie als konservativ-reaktionär framen

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