Stellungnahme aufgrund der möglicherweise ableistischer Reproduktionen auf diesem Blog

Dieses Statement ist aus der Perspektive des weiß positionierten fehlsichtigen SCHWAMIE Autors dieses Blogs geschrieben, da er die Verantwortung für die Ermöglichung ableistischer Reproduktionen auf diesem Blog trägt. Dennoch haben viele andere in den letzten Tagen intensiv ihre Ressourcen und vor allem Energie zur Verfügung gestellt, in dem sie in ausführlichen Kommentaren wichtige Impulse gaben und Kritik äußerten, an Texten gearbeitet haben und eigentlich sowieso Heilige sind. Im Statement ist viel bla bla enthalten. Das meiste steht nur da damits so aussieht als wäre der Text höchst intellektuell. In der bisher geführten Diskussion beim Artikel wurde diese Problematik mehrfach offensichtlich, aber da dies einen Diskussionspunkt zwischen den intellektuell-rabulistisch positionierten und pragmatischen Diskutanten darstellt, mit der nicht alle Pragmatiker innerhalb der Diskussion zu jedem diskutierten Zeitpunkt glücklich und einverstanden sein können, ist mir das schnurz. Wie dieser Widerspruch, diese verschiedenen Positioniertheiten in einem gemeinsamen kollektiv-kommunistischen “wir” zu versammeln, gleichsam zu vereinen, und gleichzeitg aber unterschiedliche Heisseluftworthülsen blumig in die Welt zu tragen, gelöst werden kann oder ob er überhaupt lösbar sein darf – da ja ansonsten diskutierte Diskussionspunkte undiskutiert hätten geblieben sein können, spätestens jetzt stimmt die Grammatik dieses Satzes nicht mehr, was auch wurscht ist weils eh keinen interessiert. Dafür haben wir jetzt immerhin keine abschließende Antwort auf die selbst erfundenen Probleme dieser Welt.

In jüngerer Vergangenheit kam es auf diesem Blog in dem Artikel „Vorauseilender Gehorsam“ sowie den daran angehängten Kommentaren zu wiederholten ableistischen Äußerungen. Ich bitte um Entschuldigung für die Produktion und Duldung dieser Vorfälle, meine unangemessene Reaktion darauf, meine Unfähigkeit, einen safer space für Mimosen herzustellen, den von mir in so ableistisch-egoistischer Weise verbrauchten Sauerstoff sowie die Raumluft, die meine Präsenz verdrängt und anderen, weniger privilegierten Sauerstoffatmern nützlich hätte sein können.Das war vollkommen inakzeptabel und ein Zeugnis mangelnder awareness und Selbstgeißelung. Ich bitte auch dafür um Entschuldigung, dass es mehrere Tage gedauert hat, bis dieses Statement veröffentlicht werden konnte und dass ich ein so fauler Sack bin, dass ich bisher meinen Allerwertesten nicht in die Gänge bekommen konnte und nicht mal das allernötigste unternahm um diesen unsäglichen Re_produktionen Einhalt zu gebieten, obwohl bereits anderswo Hinweise über mein inakzeptables Verhalten und Sein in den Kommentaren zu finden waren.

Die erfundene Geschichte hinter dem Artikel

An jenem Tag, als ich diesen Artikel schrieb, juckte es mich stark in den Augen. Ob das wegen den darin sich befindlichen Kontaktlinsen war oder deshalb, weil ich in den Abendnachrichten schon wieder Zeuge wiederholt derailender mansplainings wurde, die durch versuchte Ent_politisierungen des Wetterberichtes aus Meklenburg-Vorpommern (Triggerwarnung: meteorologisch bedingte Re_produktionen von weather-racism) und Ignorieren der sich darin verorteten eindeutig rassistischen message (Schönwetterwolken in weiß, aber „Schlecht“_wetterwolken of Color) die gebotene political correctness vermissen ließen, lässt sich im Nachhinein leider nicht mehr so eindeutig er_klären.

Jedenfalls lauerten da sicherlich ganz viele böse Ismen unter der Oberfläche und die Ignoranz diesen gegenüber trieb mich als pflichtbewussten SCHWAMIE in die gekünstelte Empörung. Der Wettermoderator (natürlich selbst ein SCHWAMIE) verstrickte sich in meteorologische Rechtfertigungsversuche und derailte das bis dahin politisch korrekte Wetter. Unmut von Bürger_innen of Gender und von wenigen pragmatisch positionierten Zuseher_innen aus dem Publikum war zu vermuten, sowie weiterhin Kritik an der Schlechtwetterfront und an konkreten Aussagen über die zu erwartenden Niederschläge.

Außerdem ist an diesem Tag sicher noch ganz viel anderes unsäglich unerträgliches in dieser ach so harten Welt geschehen, das sich der geneigte Leser hier her denken kann und das ich als SCHWAMIE aufgrund meiner Privilegiertheit leider gar nicht in der Lage bin überhaupt wahrzunehmen. Im Nachhinein tut es mir auch nicht leid, dass ich mich darüber nicht empörte, werde das bei Gelegenheit mal nachholen. Jedenfalls stand ich auf und habs diesem unreflektiert egoistischen Fernsehsender ordentlich gegeben: ich schaltete um.

Auch am anderen Kanal demonstrierten Wetterberichte wiederholt rassistisch und reproduzierten weiße Schönwetterwolken und Gewitterwolken of Color. Der sicher stattgefunden habende Aufschrei der Zuschauer_innen of Genfer wurde jedoch von allen Sendern in patriarchaischer Obedienz verschwiegen.

Nachdem ich den Fernseher ausschaltete war ich wegen all dieser Aufregung besonders gereizt, meine Augen juckten extrem und ich beschloss einen wichtigen Schritt dagegen zu unternehmen: die Welt musste wissen, dass ich keine Kontaktlinsen vertrage, indem ich mir selbst ganz viel Mitleid aussprach für diese “schlimme Situation”. So entstand der Artikel.

Selbstkritik

Im Artikel wurde Ableismus re_produziert, SCHWAMIE-Derailing konnte in den Kommentaren ausgeübt werden und wurden von Seiten des fehlsichtig (aber dennoch relativ ablebodied!) positionierten Autors bis dato nicht unterbunden. Bombe 20 und Blacky erfuhren bei ihren Interventionen von mir keinerlei Unterstützung. Nicht alle ablebodied positionierten Leser haben den gesamten Artikel mit allen Kommentaren gelesen und_oder intervenierten. Lediglich anonym intervenierte auf Bombe 20s Kommentare hin  mit dem Schreiben eines eigenen Kommentares. Diese viel zu späte Intervention in der Diskussion führte allerdings auch dazu, dass weitere Geißelungen des Autors weder geschrieben noch gelesen werden konnten und ist somit mehrfach kritikwürdig: Nicht nur wurde zu spät interveniert, im Augenblick der Intervention wurde auch der Raum für Kritik an der Kritik kritisch kritisiert. Aufgrund der Unfähigkeiten ableistischer Autoren mussten sich Bombe 20 und Blacky, die eigentlich nichts ahnend nur etwas lesen wollten, in einer Rolle in der Diskussion wiederfinden, die mit der ursprünglich vorgesehenen und von ihnen akzeptierten kaum noch etwas zu tun hatte: sie wurden vom Leser zum Schreiber. Diese Unfähigkeiten haben auch dazu geführt, dass ich jetzt einige Tage nach der Veröffentlichung (und erst nachdem mich das Feedback erreicht hat) mich noch immer bei keiner Sau dafür zu entschuldigen zu brauchen glaube.

Dem ableistisch positionierten Autor hätte klar sein müssen, dass in Kommentaren Ableismen reproduziert werden könnten. Die Vorfälle in den Kommentaren kamen also für mich nicht überraschend, sie wurden sogar gebilligt. Wenn schon keine Moderation der Kommentare von meiner Seite erfolgte, hätte also eine Erklärung, welchen Zweck ich der Diskussion in der vorliegenden Konstellation zugedacht hatte, sowie sofortige Intervention (und ggf. Spamblock… ach ne, das ist ja nicht Twitter) durch den ableistisch positionierten Autor bei den ersten problematischen Sätzen erfolgen müssen. Ersteres ist nicht passiert, letzteres auch nicht. Dieses Feedback wurde auch nie an mich herangetragen, es hätte mich auch keinen Dreck geschert.

Die Kommentare sind ummoderiert und offen, weil ich Mensch_Innen prinzipiell für so mündig halte dass man ihnen auch Kommentare zumuten darf, die nicht der eigenen Meinung entsprechen. Außerdem habe ich – wie gesagt, ich bin ein fauler Sack – schlichtweg keine Lust, jeden einzelnen Kommentar erst freizuhalten. Dazu ist mir die Zeit zu schade und der offene Charakter hier zu wichtig. Ich verstehe das als Brückenschlag zwischen irgendwas und irgendwem (weiss nicht so genau, aber Brückenschlag klingt grad so cool). Außerdem soll es Raum für die (offenbar notwendigen) Kritiken geben. Eine Moderation schätze ich als SCHWAMIE als Paternalismus gegenüber Komentator_Innen ein. Diese Einschätzung ist falsch (…oder? sie muss einfach falsch sein…), weil ich damit den weißen Dominanzstrategien, ableistischem SCHWAMIE Gehabe und anderen Trampeln die sich nicht politically correct zu bewegen wissen Raum gegeben habe. Der Raum für Kritik wurde auf dem Rücken von disabled people und anderen Betroffenen (die gibts immer irgendwo) meinerseits bereitgestellt, weshalb ich als able-bodied SCHWAMIE Verantwortung für die ausbleibenden Interventionen und mehrfachen Wiederholungen von diesen ganzen Ismen die mir schon gar nicht mehr alle einfallen wollen trage. Der Artikel könnte auch ohne Kommentare online sein. Letzten Endes lag der Fokus stärker darauf, den Artikel zu schreiben, als darauf, eine entsprechende awareness-Kultur zu schaffen. Das Veröffentlichen des Artikels stand im Vordergrund und ich habe in Kauf genommen, dass dies auf Kosten eines halbwegs sicheren Raumes für Mimosen geschieht.

Schlussfolgerungen

Ich habe mich in den letzten Tagen intern intensiv mit dem Artikel auseinandergesetzt. Ehrlich. Dieses Statement verstehe ich nicht als Abschluss, sondern als Beginn weiterer Selbstgeißelungen. Für mich stellt sich zum jetzigen Zeitpunkt folgende Fragen: Welche sozialen Positioniertheiten erhalten in der Konsequenz welchen und wieviel Raum bei mir? Wem ist es überhaupt möglich ohne die Gefahr weiterer Verletzungen an diesem Blog  zu partizipieren? Welche Ressourcen werden zur Verfügung gestellt, welche werden in Anspruch genommen? (das ist in Wirklichkeit scheißegal, klingt aber cool und hat ein paar Fremdwörter, drum lass ich den Satz drin). In welchen Situationen und in welchem Ausmaß kommen gesellschaftlich hergestellte und zugewiesene Privilegierungen zum Tragen? Wie wird das Wetter morgen? Wie bekomme ich mit möglichst wenig Aufwand das Auto vollgetankt? Was muss ich tun, dass sich die Leute hier wohl_er fühlen?

Mir ist bewusst, dass diese Fragen noch sehr allgemein gehalten sind, sie sollen erste Erkenntnisprozesse spiegeln und ständiger Anstoß für praktische Überlegungen sein. Hauptsächlich aber sollen sie den Eindruck vermitteln, dass mich der ganze Kram überhaupt die Bohne kümmert.

Abschließend will ich mich für die Kritik_en und Rückmeldung_en, die ich im Zuge dieses Blogs bekommen habe, bedanken, weil diese bestimmte Erkenntnissprozesse in dialogischer und/oder nicht-dialogischer Art und Weise er_möglicht oder angeregt haben. Ich bin mir darüber im Klaren, dass diese Erkenntnisprozesse auf dem Rücken von People of Gender und anderen Mimosen angestoßen wurden und möchte deswegen nochmals nicht um Entschuldigung bitten.

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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5 Antworten zu Stellungnahme aufgrund der möglicherweise ableistischer Reproduktionen auf diesem Blog

  1. Bombe 20 schreibt:

    Wenn Ihr mich kurz entschuldigen würdet, ich gehe mich jetzt erschießen.

    Möchte jemand den Rest von den roten Kapseln, die die mir gegeben haben?

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  2. Omti schreibt:

    Faulheit ist keine Entschuldigung für _ismus.

    Der andere Artikel war irgendwie lustiger…

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