Warum eigentlich?

Ich hatte sie bisher überhaupt nicht am Schirm. Irgendwie haben sie es geschafft in einer Wolke zu verschwinden und unter meiner Wahrnehmungsschwelle zu bleiben – bis zu diesen berühmt-berüchtigten Zeilen bei Gay West:

Ich traue Männerrechtlern nicht. Sie geben mir keine Hoffnung, sondern nur düstere Vorahnungen.

Für zwei so kurze Sätze waren die Wellen, die sie geschlagen haben, sehr hoch. Was ist passiert? Nachdem der Text auf Genderama verlinkt war surrte es im Wespennest. Man Tau veröffentlichte einen Leserbrief, Adrian hielt eine Erklärung für angebracht – und das wegen gerade mal 13 Wörtern.

Wie ist das möglich? Sie haben einen wunden Punkt getroffen: Wie steht die Männerrechtsbewegung zu homosexuellen Männern?

Diese Frage wurde hier auch schon gestellt. Eine Suche in einschlägigen Blogs hat mir gezeigt, dass es wohl vielen anderen ähnlich gegangen ist wie mir: homosexuelle Männer wurden in der (gemäßigten) Szene nicht wahrgenommen. Aber warum eigentlich nicht?

Erstmal ist da eine Berührungsangst von Männern mit ihrer eigenen Sexualität. Spätabends unterhält man sich an der Bar klischeegerecht vielleicht über Titten, weil echte Männer das tun. Wie im Film. Aber über die eigene Sexualität? Nein, niemals. Der Umgang mit Schwulen erlaubt aber keine Distanz zu diesem unliebsamen Thema, denn sie führt (zumindest gedanklich) früher oder später zu der Überlegung was männliche Sexualität bedeuten könnte. Und wie soll man sich rollengerecht über Titten unterhalten, wenn die den Gesprächspartner gar nicht interessieren? Wie unterhält sich ein heterosexueller Mann überhaupt rollengerecht spätabends in einer Bar mit einem homosexuellen Mann? Dafür gibt es keine Vorbilder, keinen etablierten (männer)gesellschaftstauglichen Verhaltenskodex. Das kann man(n) sich nur trauen, wenn genügend Selbstvertrauen da ist (was – Rollenbild hin oder her) leider viele nicht haben.

Und da gibt es die bereits erwähnte Wolke, nennen wir sie mal LGBTQ, die irgendwo in den Gefilden des Feminismus schwebt. Denn irgendwie hat die Frauenrechtsbewegung das Kunststück fertig gebracht sich allen antifeministischen Unkenrufen zum Trotz durch die Hintertür der Marginalisierung auch um die Agenden von Männern zu kümmern. Naja, nicht die Agenden aller Männer – man braucht ja noch ein Feindbild. Mit der Einverleibung von LGBTQ gewinnt der Feminismus nicht nur gesellschaftspolitisch mehr Relevanz, nein – man kann ihm jetzt auch nicht mehr vorwerfen, dass er sich ausschließlich um Frauen kümmern würde. Aber warum eigentlich kann eine Bewegung von sich behaupten die Interessen einer Gruppe mitzuvertreten, und sich gleichzeitig für Gesetze und Regelungen einsetzen, die klar entgegen den Interessen dieser Gruppe sind? Gibt es für homosexuelle Männer keine Wehrpflicht? Gilt die Quote nur bei Heteros? Dürfen Männer als Gleichstellungsbeauftragte arbeiten, wenn sie schwul sind? Gibt es keine homosexuellen Väter?

Homosexualität ist ein Schicksal, das sich niemand aussuchen kann. Ein Schicksal auch deshalb, weil das Leben für homosexuelle grundsätzlich schwerer ist als für heterosexuelle Menschen, und das nicht nur wegen der Diskriminierung. Wer sich mal mit ungewollt kinderlosen Paaren beschäftigt hat kann vielleicht einen Teil dessen nachvollziehen, was es diesbezüglich bedeutet homosexuell zu sein. Wenn Männer in den Medien durch stereotype Darstellungen im Waschlappen-Format (z.B. Homer Simpson, oder der kocht-ein-idiotensicheres-Entrecote-Papa aus der Edeka Werbung) einseitig dargestellt werden, dann gilt das doppelt für homosexuelle Männer. Wer nur eine einzige Episode von „Sex and the City“ gesehen hat weiß was ich meine.

Deshalb sehe ich Ideologien, die sich Interessen von Männern nur dann auf die Fahnen schreiben wenn diese homosexuell sind, eher kritisch. Das ist auch eine Form der Diskriminierung: weil man anders ist wird man akzeptiert. Weil man ein Schicksal zu tragen hat wird man gefeiert. Das hilft vielleicht den Feministen, aber nicht den Betroffenen. Hier werden Schicksale für ideologische Zwecke instrumentalisiert und in diese LGBTQ-Wolke aufgesogen – um im nächsten Schritt zu vergessen, dass auch homosexuelle Männer ein Interesse an Männerrechten haben. Um im nächsten Schritt so zu tun, als ob Diskriminierung gegen Männer an homosexuellen Männern abperlen würde.

Warum eigentlich sehe ich in der Szene der Männerrechtler kaum jemanden, der dieses Paradoxon hinterfragt? Bin ich denn der einzige, dem das seltsam vorkommt? Jedenfalls würde ich es sehr schade finden, wenn die Männerrechtsbewegung sich von Homosexuellen, oder Homosexuelle sich von der Männerrechtsbewegung distanzieren würden. Dann wäre ich derjenige mit düsteren Vorahnungen.

Zum selben Thema erscheinen heute auch noch folgende Texte:

Alles Evolution: Die Schwulen und die Männerbewegung

Man tauHetenknutschen und andere Männergeschichten

Genderama: Erste maskulistische Blogparade: Warum auch Schwulenrechte Männerrechte sind

Mein Senf: Schwule und die Männerrechtsbewegung

Wortschrank: Schwule Männer sind Männer!

Erzählmirnix (in der gewohnten Kürze): Kleiner Flachwitz

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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9 Antworten zu Warum eigentlich?

  1. Pingback: Die Schwulen und die Männerbewegung | Alles Evolution

  2. elmardiederichs schreibt:

    Ist meiner Ansicht nach der beste Beitrag aus der blog-parade.

    Gefällt mir

  3. Step II schreibt:

    Sehr gute Analyse

    Gefällt mir

  4. Pingback: Schwule Männer sind Männer! | Wortschrank

  5. Pingback: Schwule und die Männerrechtsbewegung.. | Mein Senf

  6. Pingback: Blogparaden, Blogstöckchen und Blockwärtinnen (Monatsrückblick Dezember 2013) – man tau

  7. Pingback: Friede, Freude und Klingonen – Ein Rückblick auf die Blog-Parade – man tau

  8. Pingback: Hetenknutschen und andere Männergeschichten – man tau

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