Überspannt der Bogen?

Ich bekam über die Weihnachtsfeiertage den Eindruck, dass sich derzeit linke Aktivisten immer weiter radikalisieren und dabei ihrem eigenen Feindbild immer ähnlicher werden.

Straßenschlachten in Hamburg, nach denen zur „ausgleichenden Gerechtigkeit“ Bomben gelegt wurden, die zum Glück nicht funktionierten. Eine Toleranzpolizei, die auf Twitter mit Blockempfehlungen gegen Nazis, Macker und Maskus darauf aufpassen will, dass ja nur das toleriert wird was sie selbst für tolerabel hält und dabei den nordkoreanischen Diktator in Toleranz unterbietet. Eine Masku-Liste, die vermeintliche Mitglieder dieser vermeintlich gefährlichen Interessengruppe veröffentlicht. Die EU, die allen Ernstes Kritik am Feminismus unter Strafe stellen will. Deutsche Bundesbürger, die aus ihrem gewohnt sicheren Luxus heraus völlig realitätsfern den Staat schlecht reden, der ihnen eben diesen sicheren Luxus erst ermöglichte. Hat noch jemand Lust auf Kartoffeln mit Sauerkraut?

Sie halten sich für die guten, die gegen alles in der Welt kämpfen, das in ihren Augen schlecht ist. Dabei scheinen sie das, wogegen sie kämpfen, selbst zu verinnerlichen: sie werden zum eigenen Feind, verwenden seine Methoden, nehmen seine Brutalität an. Unter dem Einfluss ihres guten Gewissens entsteht blinder Eifer. Er bewirkt auf der einen Seite ein Hochgefühl des guten Gewissens und der Zugehörigkeit zu ihrer Bewegung, das sich aber mit blinder Wut gegen alle richtet, die nicht Teil dieser Bewegung sind. Die ist man bereit zu zerstören, ohne dass sie dabei je als Menschen gesehen werden. So entsteht Faschismus. Nur kommt der heute nicht mehr von Rechts.

Seltsam ist, dass auf eine ausgleichende Weise das gute und gleichzeitig blinde Gewissen bewirkt, dass seine Fanatiker ins eigene Messer laufen und scheitern. Ein überspannter Bogen muss irgendwann brechen.

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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5 Antworten zu Überspannt der Bogen?

  1. Ich glaube ja, dass es eine typische Folge einer Bewegung ist, deren Theorien den Realitätsbezug verloren haben. Die Vorstellung tatsächlich in einer Rapekultur und einer permanenten Unterdrückung durch den weißen Mann zu leben erfordert eben ein hohes Maß an kognitiver Dissonanz, die viele ohne Radikalität schlicht nicht aufbringen können. Man MUSS radikal werden um das Gedankengebäude aufrechtzuerhalten. Man muss sich in Filterbubbles zurückziehen, um seine kognitive Dissonanz nicht zu sehr zu bemerken und sich gegenseitig zu bestärken. Man muss immer weniger Kompromisse zulassen, weil diese einem deutlich machen, dass die eigene Meinung so strikt nicht durchzuhalten ist.

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  2. Revan schreibt:

    Du wirfst hier verschiedene (mehr oder minder) linke Strömungen in einen Topf.

    Die „Straßenkämpfer“ der roten Flora, die Refugees/Flüchtlinge und die Zwangsgeräumten der Esso-Häuser haben nichts mit den Regelungen und Plänen der EU zu tun.
    Auch Radikalfeministinnen findet man nicht „auf der Straße“ (das können die Männer/Macker machen).

    Die Linke (nicht die Partei) ist extrem heterogen und reicht von Linksliberal/Libertär bis hin zu Stalinismus. Dazwischen gibt es dutzende Strömungen/Gruppen/Denkschulen, die sich teilweise Spinnefeind sind.

    „Schwarzer Block = Linksextreme = Radikalfeministisch“ ist zu kurz gedacht.

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    • Martin Domig schreibt:

      Ich werfe alle in einen Topf, weil sie alle den gleichen Fehler machen: sie übertreiben bei der Umsetzung ihrer jeweiligen Anliegen. Sie sind Eins in ihrer Blindheit für die Welt jenseits ihrer jeweiligen Tellerränder.

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      • Martin schreibt:

        Kann ich unterschreiben. Die Grundzüge der (allermeisten) Linken sind ebenso totalitär, merk- und kritikbefreit, wie die „Rechten“. m.E. wird das zunehmend auch als immer penetranter, selbstgerechter und selbstherrlicher werdend wahrgenommen.
        Grundsätzlich geht es bei den meisten Linken immer darum, in hochmoralischer, selbstgerechter Pose dem Rest der Welt die eigene Sichtweise aufzuzwingen – möglichst, ohne selber die Kosten tragen zu müssen. Das ganze verbrämt mit viel Feindbild-blabla, „Kapitalismus“, Sozial- und „Gerechtigkeits“-geseier. Oft profitiert man dann -als eigentlich völliger nutzloser Student irgendwelchen Politik-, Sozial- und anderem unproduktivem Bullshits- dadurch, das man die vermeintlich Vertretenen auf einem staatlich bezahlten oder subventionierten Pöstchen versorgen darf. Oder sich halt direkt -durch Besetzungen etc.- billig Eigentum aneignet.

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