Kläffer in der Wüste

Bei einem Artikel bei Geschlechterallerlei findet gerade eine kurze aber interessante Diskussion zum Thema Anonymität der Blogautoren statt. Die Frage ist, ob ein Autor einen Teil seiner Glaubwürdigkeit verliert, wenn er sich hinter einem Pseudonym versteckt:

Ich finde, man sollte zu dem stehen, was man schreibt / sagt. Daher die Frage nach dem Impressum. Bei den Feministinnen gab es ja u.a. mal so wortvergewaltigte Aktionen wie “Gesichtin zeigen” etc. Die “Wer braucht Feminismus”-Kampagne kommt ebenfalls ohne Gesichter nicht aus. Anonyme Kläffer in der Wüste bleiben erstmal anonyme Kläffer in der Wüste.

Diese Überlegung habe ich auch angestellt als ich den Blog hier eröffnete. Ich habe mich gegen ein Pseudonym entschieden.

Wer mit seinen Namen im Internet auftritt und diesen unter einen Text setzt, der hat etwas zu verlieren – nämlich seinen Namen. Er macht sich verwundbar und riskiert, auch im realen Leben für das gerade stehen zu müssen, was er irgendwo im Internet schreibt. Für immer, denn das Internet vergisst nichts. Das führt automatisch zu mehr Vor- und Umsicht beim Schreiben, zumindest geht es mir so. Und das allein ist schon ein Vorteil.

Ich kann mir ein zornig hingerotztes Gegeifere nicht erlauben, auch wenn es manchmal sehr verlockend wäre und die Zugriffszahlen auf den Blog drastisch erhöhen würde. Aber es wäre dann für immer mit meinem Namen verbunden, für jeden auffindbar der Google bedienen kann. Und in meiner Branche kann das jeder. Es gibt auch andere Dinge, die ich dadurch nicht schreiben kann. Privates aus meinem direkten Umfeld, persönliche Daten, Anekdoten.

Es zwingt mich zu einer Sachlichkeit, die ein Kläffer in der Wüste nicht braucht, auch dann wenn ich selbst übelst beschimpft werde. Ich schreibe keine Artikel, die ich nur unter einem Pseudonym zu veröffentlichen wagen würde – und bin übrigens der Meinung, dass jene, die genau deshalb ein Pseudonym verwenden, sich doppelt überlegen sollten was sie da tun. Polemik hat zwar einen hohen Unterhaltungswert, vertieft aber auch bestehende Gräben. Ich bin mehr an der Überwindung dieser Gräben interessiert als an der Unterhaltung.

Das Leben ohne Pseudonym ist sicherlich schwieriger, vielleicht auch riskanter. Aber es birgt einen großen Vorteil: Glaubwürdigkeit. Vielleicht bringt sie etwas Abkühlung in diesen Diskurs, der ohnehin schon emotional überhitzt ist. Und wenn eines Tages der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass tatsächlich der eine oder andere Journalist ein paar dieser Zeilen hier irgendwo zitieren möchte, dann muss der sich wenigstens nicht überlegen, wie er eine Quelle rechtfertigen soll, die sich hinter einem Pseudonym versteckt.

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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26 Antworten zu Kläffer in der Wüste

  1. wollepelz schreibt:

    Woher weiß ich denn, dass Martin Dormig auch Martin Dormig ist?

    Ich habe z. B. einen Kontakt mit einem Realnamen, dessen Realname ein ganz anderer ist.

    Außerdem: Wer sich mit einem Pseudonym nicht unter Kontrolle hat, hat es auch nicht mit Realnamen.

    Meinen Realnamen darfst Du über meine Webseite herausfinden, falls es überhaupt interessiert. 😛

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    • Martin Domig schreibt:

      Außerdem: Wer sich mit einem Pseudonym nicht unter Kontrolle hat, hat es auch nicht mit Realnamen.

      Mag sein, ich denke aber dennoch dass der Umkehrschluss nicht gilt. Wer sich mit seinem Realnamen unter Kontrolle hat, muss sich nicht notwendigerweise unter einem Pseudonym unter Kontrolle haben.

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  2. tom174 schreibt:

    Ich schreibe auch unter Pseudonym, wer will kann meinen Namen dennoch recht leicht herausfinden. Anfangs dachte ich, ich würde mehr über meinen Job schreiben, und dann geht es nicht nur um meine Anonymität, sondern auch die anderer. Genauso bei dingen, die ich über meine Familie schreibe. Zumindest das Jobding ist obsolet, da ich fleissig geworben habe.
    Für die Glaubwürdigkeit spielt das alles aber in meinem Blog keine Rolle. Ich will ja nicht mit meinem Namen sondern mit Argumenten überzeugen.

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    • wollepelz schreibt:

      Private Blogbetreiber benötigen nur unter ganz bestimmten Umständen ein Impressum.

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    • maennerstreik schreibt:

      „Ich will ja nicht mit meinem Namen sondern mit Argumenten überzeugen.“

      Dann findest Du z.B. ein Blog, das angeblich von einem Mann oder mehreren betrieben wird und z.B. Feminismus toll findet – samt Argumenten, die vielleicht zumindest logisch sind, auch wenn sie von falschen Grundannahmen ausgehen. Dann denkst Du als Mann, dass das ja vielleicht gar nicht so falsch ist mit dem Feminismus, wenn andere Männer… – Du verstehst das Problem, z.B. auch der Identifikation mit anderen, deren Meinung man dann auch anders gewichtet?

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      • tom174 schreibt:

        und ein geschriebener name im impressum macht das glaubwürdiger? da könnte ich reinschreiben, was ich will, das blog ist geduldig..

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        • onyx schreibt:

          @ Tom

          Eine Frage off topic sei mir hier gestattet. Wieso machst du eigentlich beim Geschlechtereinheitsbrei nicht als Autor mit? So begeistert, wie du anfangs klangst, hätte ich vermutet, du bist einer der ersten.

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        • tom174 schreibt:

          Gastartikel vielleicht, wenn sich themen ergeben. Wenn ich weiterhin nur meine meinung schreibe, dann bleibe ich auf meinem Blog. Idee war bei mir die gleiche wie mal in einem Kommentarstrang bei mir. Ein Thema von vielen Seiten beleuchten.
          Nehmen wir zum Beispiel die Pisa Studie. Oder ein für und wider bei einer änderung des sexuellen nötigungsparagraphen. oder wann fängt sexuelle belästigung an… Themen gäbe es viele, die man von vielen seiten anschauen könnte. Bei einem Austausch mache ich gerne mir, ansonsten schreibe ich weiter wirr und ohne absätze bei mir 😉

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        • onyx schreibt:

          Ist ja alles deine Sache. Ich will mich da gar nicht reinhängen. Bin nur verwundert über deine plötzliche Zurückhaltung

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        • tom174 schreibt:

          Ich würde mir da tatsächlich wünschen, dass es ausgeglichen und eben nicht nur ein weiterer männerblog wird. aber da fehlen die anderen. wie gesagt, schauen, wie sich das entwickelt.

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        • onyx schreibt:

          Hab ich von vornherein gesagt. So wie das aufgezogen wurde, konnte das nur so werden, wie es jetzt ist. Hab ich keinen Bock drauf.

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        • tom174 schreibt:

          liegt an euch.. macht mit, dann ist auch die andere seite da.

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        • onyx schreibt:

          Ich habe begründet, warum ich nicht dabei bin

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        • Graublau schreibt:

          @onyx:
          So wie das aufgezogen wurde, konnte das nur so werden, wie es jetzt ist. Hab ich keinen Bock drauf.

          Angenommen, jemand will es richtig machen. Was ist dafür notwendig? Was ist hinreichend, um Dich zu überzeugen?

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    • Martin Domig schreibt:

      Für die Glaubwürdigkeit spielt das alles aber in meinem Blog keine Rolle. Ich will ja nicht mit meinem Namen sondern mit Argumenten überzeugen.

      Da ist sicher was dran. Ich denke aber dass jemand, der mit seinem Namen unterschreibt, noch mehr an einer guten Argumentation interessiert ist, eben weil er ernst genommen werden will. Oder umgekehrt formuliert: unter einem Pseudonym hätte ich vermutlich weniger Hemmungen, schludrig zu argumentieren oder polemisch/emotional zu streiten, was aber niemandem helfen würde sondern eventuell bestehende Gräben weiter zementiert.

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  3. Robin Urban schreibt:

    Das ist ja vor allem eine rechtliche Frage. Es gab Urteile, die den Eindruck erweckten, dass jeder Blogbetreiber, der kein vollständiges Impressum führt, sich eigentlich strafbar macht. Aber da gibt’s zwei Dinge zu bedenken:

    Wo kein Kläger, da kein Richter und
    reicht es offensichtlich doch, nur eine Möglichkeit zu hinterlassen, durch die man erreichbar ist. Das kann eine Telefonnummer sein, aber eine Emailadresse reicht auch.

    Ich finde diese Diskussion etwas kleinlich. Vermutlich gibt es tausende deutschsprachige Blogs, die unter Pseudonymen laufen. Warum soll das jetzt nur in diesem Fall ein Problem sein? Sollte was wirklich illegales gepostet werden, sind die Verantwortlichen vermutlich durch die Polizei leicht ermittelbar.
    Bei einem großangelegten Blogprojekt sehe ich da nur ein Problem, und das betrifft die Finanzierung. Um z.B. Spenden zu sammeln muss jemand mit seinem wahren Namen dahinter stehen, denn Nummernkonten sind in Deutschland verboten.

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    • maennerstreik schreibt:

      Siehe das Beispiel mit dem möglichen Zitat in anderen Medien. Pseudonyme werden von den meisten Journalisten nicht zitiert, da als Quelle nicht gültig.
      Und jetzt könnt ihr euch weiterknuddeln…

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    • Martin Domig schreibt:

      Ich finde diese Diskussion etwas kleinlich. Vermutlich gibt es tausende deutschsprachige Blogs, die unter Pseudonymen laufen. Warum soll das jetzt nur in diesem Fall ein Problem sein?

      Es ist kein Problem, das meinte ich nicht. Tut mir leid wenn es trotzdem so verstanden wurde. Wenn jemand unter einem Pseudonym schreiben möchte soll er das meinetwegen tun. Mein Punkt ist schlicht der, dass jemand unter einem Pseudonym anders wahrgenommen wird als jemand der es nicht tut.

      Mit Anonymität hat das Ganze ohnehin nur wenig zu tun. Wenns wirklich sein muss ist es fast immer möglich die Identität einer Person im Internet festzustellen, notfalls über ein Gericht.

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    • tom174 schreibt:

      Das sind 2 Sachen. Die Impressumspflicht kommt aus dem Wettbewerbsrecht und wird dann relevant, wenn das blog gewerblich (also auch mit werbung bestückt ist) betrieben wird. Die kontaktmöglichkeit braucht man, falls illegales verbreitet wird (z.B. links auf pornografie in den kommentaren)

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  4. Graublau schreibt:

    „Ich kann mir ein zornig hingerotztes Gegeifere nicht erlauben, auch wenn es manchmal sehr verlockend wäre“

    Ich auch nicht. Meine Hoffnung ist ja nach wie vor, bei Geschlechterallerlei mal einige unterschiedliche Perspektiven zu bekommen. Um sich die altbekannten Stichworte in gewohnter Schärfe um die Ohren zu hauen, reichen Kommentare in den üblichen Blogs vollkommen aus.

    Du gehst davon aus, dass man unter Pseudonym automatisch härter und schärfer schreibt und sich im Umgangston Sachen herausnimmt, die man sonst nicht wagen würde. Wenn ich mir aber genug Interneterfahrung habe, um zu wissen, dass man im Extremfall meinen Namen herausbekommt, sollte ich das so oder so nicht tun. Es ist aber ein Unterschied, ob ein Artikel unter den ersten Suchergebnissen zu meinem Namen auftaucht oder nur indirekt mit meiner Person in Verbindung gebracht werden kann.

    Und einfach mal selbst tief durchatmen, einen Spaziergang machen oder eine Nacht drüber schlafen sind gute Rezepte, um nicht ständig wegen Internetdiskussionen aus der Haut zu fahren. Hätte ich weniger reales Leben, würde ich hier vielleicht länger diskutieren.

    „Es zwingt mich zu einer Sachlichkeit, die ein Kläffer in der Wüste nicht braucht, auch dann wenn ich selbst übelst beschimpft werde. Ich schreibe keine Artikel, die ich nur unter einem Pseudonym zu veröffentlichen wagen würde – und bin übrigens der Meinung, dass jene, die genau deshalb ein Pseudonym verwenden, sich doppelt überlegen sollten was sie da tun. Polemik hat zwar einen hohen Unterhaltungswert, vertieft aber auch bestehende Gräben. Ich bin mehr an der Überwindung dieser Gräben interessiert als an der Unterhaltung.“

    Du hast das Bild des Kläffers in der Wüste angenommen, der vor allem durch seinen Tonfall Beachtung bekommt. Ich fühle mich davon nicht angesprochen. Nichts wäre aus meiner Sicht schlimmer, als nur in dieselben Kerben zu hauen wie die existierenden Blogs.

    „Das Leben ohne Pseudonym ist sicherlich schwieriger, vielleicht auch riskanter. Aber es birgt einen großen Vorteil: Glaubwürdigkeit. Vielleicht bringt sie etwas Abkühlung in diesen Diskurs, der ohnehin schon emotional überhitzt ist.“

    Nur ein Name: Elmar Diederichs.

    „Und wenn eines Tages der unwahrscheinliche Fall eintritt, dass tatsächlich der eine oder andere Journalist ein paar dieser Zeilen hier irgendwo zitieren möchte, dann muss der sich wenigstens nicht überlegen, wie er eine Quelle rechtfertigen soll, die sich hinter einem Pseudonym versteckt.“

    Ein echter Journalist sollte wissen, wie er auch anonyme Quellen auswertet. Oder kommen die Worte „Quellenschutz“ und „Whistleblower“ nur in meiner eigenen kleinen Welt vor?

    Pseudonym ist Mist, wenn man im Tonfall schärfer wird, als man es mit Klarnamen wagen würde. Pseudonym ist aber eine Möglichkeit, Sachen anzusprechen, die ansonsten schwierig sind (weil es einem schwer fällt, weil es ein Tabuthema ist, weil es vielleicht nicht jeder auf den ersten Blick mit der eigenen Person zuordnen können soll). Und ja, den Artikel, unter dem diese Diskussion entstanden ist, würde ich unter Klarnamen veröffentlichen. Aber eben nicht alles, was ich für dieses Blog vorhabe (und zum Teil schon woanders geschrieben habe). Mit Klarnamenspflicht hätte ich nie bei Christian kommentiert. Pseudonym ist meine Entscheidung, damit mein Name nicht als erstes in Verbindung mit Artikeln auftaucht, die mir zwar wichtig sind, die aber vielleicht nicht die erste oder einzige Sache sind, für die ich bekannt sein möchte.

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  5. Kai V schreibt:

    Ich schreibe Anonym weil ich auch Fälle aus unserer Väterorganisation aufgreife. Nenne da zwar keine Nahmen, verfälsche ggf. auch den Beruf. Trotzdem möchte ich nicht das einer unserer „Klienten“ mal meine Kontaktdaten im Internet sucht und denkt ich würde das Privatleben von Vätern hier breittreten. Weil er evtl. das Wort Vater versteht, dann sein Deutschverständnis aber am Ende ist.

    Ich selbst überlege mir immer wieder ob das, was ich schreibe noch so ok ist. Z. B. bei meiner „Preisvergabe“ an Rosenbrock, denn den Klarnamen finden die schneller raus wie einem lieb ist. Bei mir kann das eigentlich auch jeder der mal ein wenig mit Google rumspielt, man braucht also nicht mal ne Anzeige bei der Polizei.

    Im Internet überzeugt man meiner Meinung nach, wenn man den Sachverhalt umfassend, mit Links auf seriöse Seiten oder Bildmaterial darstellen kann. Siehe z. B. Don Alphonso, bei uns aber auch man-tau…

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