Osterwunder

Auch das gibt es, rechtzeitig zu Ostern: Gestern habe ich von einer Scheidungsanwältin gehört, die ihre Verantwortung in Sorgerechtsstreitigkeiten ernst nimmt und nicht nur den Wunsch einer Klientin durchsetzt.

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Eine Klientin kam zu ihr mit dem Wunsch, dem Vater sämtlichen Umgang mit dem 5 Jahre alten Kind zu unterbinden. Das wäre für die Anwältin in der – auch in Österreich – gängigen Rechtspraxis überhaupt kein Problem, wenn sie nicht auch ein Auge auf die Gesamtsituation werfen würde. Sie empfahl ihrer Klientin eine Familientherapie, die diese tatsächlich machte, und in der sie auch selbst ein neues Bild ihrer Familiensituation bekam. In diesem konkreten Fall war es sogar so, dass wenn sie ihren Wunsch durchgesetzt hätte, dies eine Katastrophe insbesondere für sie selbst gewesen wäre.

Zwei Wochen später war der Gerichtstermin, bei dem sie ursprünglich den alleinigen Umgang erstreiten wollte. Sie setzte sich stattdessen für einen geregelten Umgang des Kindes mit dem Vater ein, der dann auch so umgesetzt wurde.

Das Osterwunder ist aber nicht die Einsicht der Klientin, sondern die Weltanschauung der Anwältin. Das war nämlich nicht das erste oder letzte Mal, dass sie ihren Klienten eine Therapie nahelegt – obwohl sie dabei gegen ihre eigenen Interessen als Anwältin arbeitet. Manche nehmen das Angebot dankend an, andere müssen etwas überzeugt werden, wiederum andere verweigern sich komplett. Und oft genug wird dabei das Ergebnis für die betroffenen Familien nachhaltig verbessert.

Die Welt lässt sich nicht in Gut und Böse unterteilen. Auch nicht bei Anwälten.

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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4 Antworten zu Osterwunder

  1. Männerstreik schreibt:

    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer…

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  2. „Das wäre für die Anwältin in der – auch in Österreich – gängigen Rechtspraxis überhaupt kein Problem, wenn sie nicht auch ein Auge auf die Gesamtsituation werfen würde.“

    In Deutschland immerhin wäre es durchaus ein Problem, wenn man nicht sehr ernste Vorwürfe machen könnte

    „Sie setzte sich stattdessen für einen geregelten Umgang des Kindes mit dem Vater ein, der dann auch so umgesetzt wurde. Das Osterwunder ist aber nicht die Einsicht der Klientin, sondern die Weltanschauung der Anwältin. “

    Vielleicht gibt es in Österreich auch eine extra Vergleichsgebühr (in Deutschland immerhin 108 € / 200 € (je nachdem ob es die Staatskasse oder der Mandant zahlen muss)

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    • Martin Domig schreibt:

      In Deutschland immerhin wäre es durchaus ein Problem, wenn man nicht sehr ernste Vorwürfe machen könnte

      Eben diese Vorwürfe kann man doch immer machen, es muss ja nicht stimmen. Wenn man sich geschickt genug anstellt bekommt man als Mutter jeden Vater aus dem Haus und ins Gefängnis, kann ihn sozial ruinieren und im Zuge dessen die Kinder entfremden. Bis offiziell festgestellt wurde, dass an den Verdächtigungen nichts dran war gehen Jahre ins Land, und eine Sorgerechtsfrage stellt sich dann für Gerichte auch nicht mehr. Aber das perfideste daran ist: eine Frau wird für so ein Vorgehen in Österreich nicht belangt.

      Ich habe mich erkundigt, viel gefragt und lange gesucht. Aber ich weiss von keinem einzigen Fall, in dem z.B. ein Missbrauch mit dem Missbrauch für eine Mutter in Österreich Konsequenzen gehabt hätte. Es ist das perfekte Verbrechen hier. Siehe z.B. diesen aktuellen Fall.

      Wie Eltern, die ihren Kindern so etwas antun, diesen Kindern überhaupt noch ins Gesicht sehen können, werde ich wohl nie verstehen. Und wenn man sieht wie diese Kinder den Eltern ins Gesicht sehen, bricht einem das Herz.

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