„Wollen sie das ihrem Kind wirklich antun?“

Es gibt da einen Aspekt des Feminismus, den ich nicht verstehe. Einerseits gibt er vor für Gleichberechtigung von Mann und Frau einzutreten, und beklagt zum Beispiel den Umstand, dass die „Betreuungsarbeit“ (mit diesem Unwort ist das Kümmern um die Kinder gemeint) oft bei den Frauen hängen bleibt. Wenn aber über Maßnahmen diskutiert wird, die diesen Missstand auch Familienrechtlich beheben sollen, verhindert ausgerechnet die Frauenministerin jede Gesetzesänderung, die wirkungsvoll das Sorgerecht für die Kinder – das eigentlich Sorgepflicht heißen müsste – auf beide Elternteile gleich verteilen würde.

Konkret wurde in Österreich mal das automatische Sorgerecht beider Elternteile bei unehelichen Kindern diskutiert. Mir ist da ein Zitat der damaligen Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek in Erinnerung geblieben, die in einem Interview sagte, dass gegen den Willen der Mutter niemals der Vater das Sorgerecht bekommen dürfe (ich finde leider das Originalzitat nicht mehr). Schlussendlich scheiterte das gemeinsame Sorgerecht ausgerechnet am Frauenministerium, und es kam zu einer typisch österreichischen nicht-Lösung: der uneheliche Vater darf ohne Einverständnis der Mutter das Sorgerecht beantragen, dann muss er sich aber erst mal bis zu einem halben Jahr lang in einer „Abkühlphase“ vor Gericht bewähren. Mit dieser hegemonialen Grundhaltung – dass sich Väter erst mal bewähren müssen, denn schließlich sind es ja Männer – wundert es mich nicht, dass sich schlussendlich mehr Mütter als Väter um Kinder kümmern.

Diese Grundhaltung zieht sich bis hinein in die gängige Rechtspraxis an Familiengerichten. Verweigert z.B. eine Mutter dem Kind den Umgang mit dem Vater, dann hat dieser keine Chance dieses Umgangsrecht durchzusetzen. Als Begründung hört man von Richtern(!), dass man „doch der Mutter nicht die Polizei schicken“ kann, und „wollen sie das ihrem Kind wirklich antun“. Wenn aber das Kind den Umgang mit der Mutter verweigert und stattdessen beim Vater bleiben will, dann stehen nur Stunden später bewaffnete Beamte im Garten.

Wie viel Polizei braucht Albert E. (10 Jahre)?
So geschehen in Steyr, im August 2014:

Albet E., 10 Jahre alt, will bei seinem Vater bleiben und schildert einer Richterin seine Ängste vor Übergriffen und körperlichen sowie seelischen Misshandlungen im Haushalt der Mutter. Die Richterin verspricht ihn nicht gegen seinen Willen vom Vater zu trennen, kurz Darauf steht die Polizei vor der Tür.

Liebe Feministen: wenn ihr beklagt, dass viel mehr Mütter als Väter ihre Kinder großziehen, dann solltet ihr nicht gleichzeitig jede Regelung aktiv bekämpfen, die daran etwas ändern könnte. Und vor allem müsst ihr aufhören, Väter pauschal als potentielle Gewalttäter und Kinderschänder zu betrachten (doch, tut ihr).

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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2 Antworten zu „Wollen sie das ihrem Kind wirklich antun?“

  1. Matze schreibt:

    „Als die Tochter nach der zugesagten “Probezeit” unbedingt zum Papa zurück wollte und ihre Meinung auch deutlich gegenüber der Sozialarbeiterin und einer weiteren Richterin vertrat, wurde sie nicht ernst genommen. Trotz eindeutiger Aussage der Elfjährigen bei Papa leben zu wollen, hatte “sich das Kind was in den Kopf gesetzt”, wie die Richterin es interpretierte. Der Wunsch bestehe mit nur vier Monaten nicht lange genug und sei darum nicht so ernst zu nehmen. Die Worte wurden einfach umgedeutet und ihr Herzenswunsch damit abgelehnt. Die in der nächsten Instanz zuständige Richterin mochte sie auch nicht so recht unterstützen.”

    https://www.freitag.de/autoren/meyko/kindermund-frauen-tun-immer-nur-so#1396688671402422

    Ich hab auch dazugelernt: Richter üben keine Gerechtigkeit aus, sondern fällen Urteile.

    Das sich Feministinnen hierbei gegen die Mutter engagieren, wird nicht passieren. Falls doch, hätte ich wirklich sehr gerne einen Link!

    Alle Änderungen die Feministinnen wollen, sollen alleine über die Männer erfolgen. Frauen sollen weiter tun und lassen was sie wollen und wenn es nicht passt, liegt es eben am Mann.

    Gefällt 5 Personen

  2. Pingback: Die Gewalt der vierten Gewalt (Ein Rückblick auf den September) – man tau

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