Der DAV über die Verbindung von Idiotie und Fanatismus

In einem Beitrag des Deutschen Arbeitgeber Verbandes (DAV) beschreibt dessen Präsident, Peter Schmidt, ein Problem unserer Gesellschaft in erfrischender Deutlichkeit:

Eine Unzahl als Therapeuten kostümierter Pflegebedürftiger beherrscht die politische Entscheidungswelt und viele dieser Hochstapler haben es bis in die höchsten politischen Entscheidungsgremien gebracht. Die Ideologie und Phraseologie der damaligen Zeit wurde zwar ein wenig durchgerüttelt – aus der Bourgeoisie ist jetzt der „Weiße Mann“ geworden – aber alles in allem haben sich die Krankheitsbilder erhalten beim berühmten Marsch durch die Institutionen.

Er nennt einige Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit, die aufzeigen, mit welchen nicht-Problemen die Öffentlichkeit von einer kleinen Gruppe ideologisch vernagelter Agitatoren belastet wird:

Wir bauen für 400.000 Euro Fledermausbrücken, weil uns die Sorge um diese Tiere um den Schlaf zu bringen scheint und wir schreddern in Windwahnparks gleichzeitig hunderttausende Tiere ohne jedes Mitgefühl. Wir opfern hunderte Milliarden Euro für eine Energiewende, die unsere Volkswirtschaft und Millionen Arbeitsplätze den Kopf kosten kann. Wir glauben an 46 Geschlechter, investieren Millionen in die Umrüstung von Ampelmännchen auf Ampelfrauchen, werfen ein Vermögen zum Fenster heraus für eine Voodoo-Genderforschung, die nichts weiter als ein in-sich-geschlossenes-Illusionssystem bedient.

Schmidt befürchtet, dass unsere Gesellschaft allmählich die Fähigkeit verliert, sich aus eigener Kraft gegen diese Agitatoren zu wehren. Denn scheinbar reicht es zur Legitimierung, wenn die Agitatoren von sich behaupten die Interessen der Mehrheit zu vertreten, ohne diesen Anspruch je zu belegen. Funktionieren kann das nur, weil es von einer korrumpierten Medienlandschaft unterstützt wird, die von den selben Ideologen geleitet wird. Und dass der Graben zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung immer breiter wird interessiert die nicht.

Interessant ist zudem, dass die Fanatiker-Rudel den rituell reklamierten „Volkswillen“ nur in den seltensten Fällen repräsentieren. Bei Stuttgart21 konnte dies sogar durch einen Volksentscheid belegt werden. Bei allen anderen Themen hilft eine traditionell links-grüne Medienlandschaft, das Mißverhältnis zu verschleiern. Seit 20 Jahren sind zum Beispiel fast 70 Prozent der Frauen – konstant – gegen eine Quote. „Durchregiert“ wird trotzdem gegen Volkes Wille.

Der Text von Peter Schmidt ist zur gänze lesenswert.

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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7 Antworten zu Der DAV über die Verbindung von Idiotie und Fanatismus

  1. djadmoros schreibt:

    Der Artikel von Peter Schmidt ist vor allem eines: ein lupenreiner Lobby-Artikel. Er greift zwar Kritiken auf, die auch anderswo in der Gesellschaft geäußert werden, pflegt dabei aber zugleich die eigenen Feindbilder und die eigene Agenda. Und in dieser Hinsicht sind die – für sich genommen schön saftigen – Auszüge Dein Blogposts für den Artikel in Gänze nicht repräsentativ.

    Schmidt arbeitet nämlich systematisch mit Halbwahrheiten, die sich in dem Moment decouvrieren, in dem er von »offensichtlich planwirtschaftlichen Zuständen« spricht. Was er da beklagt, dürfte für eine überregulierte mittelständische Wirtschaft einigermaßen zutreffen. Aber »der Kapitalismus«, den er in seinem Text als von Ideologen unschuldig attackiertes Opfer präsentiert, ist mehr als das: eben auch der unterregulierte Finanzkapitalismus, der, wo er nicht zur Umverteilung von unten nach oben beiträgt, Gelder in Spekulationsblasen verbrennt.

    Dass Schmidt uns dabei vorjammert, dass übermächtige NGOs aufgrund moralischer Forderungen »Konzerne an den Rand des Bankrotts bringen« erscheint grotesk, wenn man bedenkt, dass die zuletzt bankrottierten Konzerne solche des Finanzsektors waren, die an ihrem eigenen Mangel an Grenzen, Anstand und Regeln gescheitert sind. Darüber verliert Schmidt keine Silbe.

    Worauf das Ganze hinausläuft ist – wieder einmal – Sozialstaatsbashing: »in den Schutzzonen staatlicher Wirtschaft und Zuwendung haben sich Millionen „Empfänger“ ein auskömmliches Leben eingerichtet. (…) Ein tödlicher Kreislauf, dessen Aufhebung man sich kaum noch vorstellen kann. Die Armutsindustrie explodiert dementsprechend.« Darüber, dass aufgrund einer speziellen Verbindung von technologischer Rationalisierung und Kapitalismus letzterer die Erwerbsarbeit systematisch abschafft und ebenso systematisch Zweidrittelgesellschaften mit ökonomisch überflüssigen Unterschichten erzeugt, die durch »poverty shaming« davon abgehalten werden sollen, sich gegen das System zu organisieren, das sie überflüssig macht – darüber verliert Schmidt ebenfalls keine Silbe.

    Der Zweck des Artikels besteht in nichts anderem, als den Kampf um Einflussanteile zwischen konkurrierenden Lobbies fortzusetzen. Das ist zwar im Grundsatz legitim, aber andererseits auch kein Grund, Lobbyismus nicht als das zu erkennen und zu benennen, was er ist: selektiv, einseitig, manipulativ – und selber ideologisch! Was Dich also geritten hat, diesen Artikel als »zur Gänze lesenswert« zu loben, erschließt sich mir daher in keinster Weise. Lesenswert ist er allenfalls dann, wenn man erfahren möchte, wer alles sein Süppchen auf dem Feuer der Ökologie- und Feminismuskritik kochen möchte.

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    • tom174 schreibt:

      Der Deutsche Arbeitgeber Verband betreibt Lobbyismus. Na sowas.
      Er schreibt:
      „Von einer „freien Marktwirtschaft“ kann im Übrigen schon lange nicht mehr gesprochen werden. So viel Beschönigung ist kaum möglich, um die Fakten ignorieren zu können. In riesigen Sektoren ist die Marktwirtschaft schon ganz oder teilweise aufgehoben: Energiewirtschaft, Landwirtschaft, Gesundheitswesen. Der Arbeitsmarkt ist fest in staatlicher Hand. Der gesamte „Freiberufler“-Sektor agiert nach staatlich vorgegeben Gebührenordnungen, Rechtsanwälte, Architekten, Ärzte. Schornsteinfeger. IHKs und Kammern. Auch „Gebühreneinzugszentrale“ ist ein Stichwort – sowohl für Idiotie als auch für die Frechheit im Umgang mit Sprache. Beitragsservice lautet der neue Euphemismus. Ein raffiniertes Gespinst aus Zuschüssen, Subventionen und staatlicher Lenkung hat die Mehrheit der Bevölkerung, und leider auch viele Unternehmer, blind für diese Entwicklung gemacht und zu mehr oder weniger zufriedenen „Empfängern“ gemacht.“
      Und in der Tat, hier wurde in den letzten Jahren immer mehr reguliert.
      Ich wundere mich schon eine ganze Weile, wie unsere kritiklos unsere Wirtschaft Eingriffe wie die Quote, die abschlagsfrei Rente mit 63 oder auch den Mindestlohn hinnimmt.
      Quote, da sind wir uns einig, beim Mindestlohn kommt „Man muss von seinem Lohn Leben können“
      Der niedrigste Einstigsvollzeitlohn, den wir bei uns bezahlen, liegt bei 1700 Euro, bei 40h. Weit mehr als die 8,50h. Arbeitet ein Mitarbeiter nun aber mehr als er muss, 50h, dann rutscht er darunter. Wir haben keine Zeiterfassung, müssten nun aber eigentlich eine einführen, um genau das zu verhindern. Hier will aber niemand eine Zeiterfassung.
      1700Euro brutto, da bleiben 1100 Euro netto. Würde man Subventionen abbauen, könnte das deutlich mehr sein. Pendlerpauschale? Kohleförderung? Muss das wirklich alles sein?
      Die 1700 Euro sind noch nicht einmal der echte Lohn, in Wirklichkeit sind es über 2000 (Arbeitgeberbeiträge Rente+AV).
      Schon bei der Gehaltsabrechnung werden, selbst bei einem Lohn, der nun nahe am Mindestlohn liegt, knapp die HÄLFTE verstaatlicht.
      Die 1100 Euro gebe ich dann für Dinge aus, die dann nochmal besteuert werden. Mehrwehrtsteuer, Mineralölsteuer, EEG Umlage..
      Nicht falsch verstehen, ich bin nicht für die Privatisierung von allem. Auch nicht für eine komplette Deregulierung.
      Die Finanzkrise war in der Tat ein schlimmer Auswuchs des Turbokapitalismus.

      Vergessen wir aber nicht, dass hier das meiste importiert war und nicht wirklich etwas mit dem Mittelstand hier zu tun hat. Der Mittelstand ist aber der, der durch den Mindestlohn und durch die Rente mit 63 belastet wird.

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      • Vinzenz schreibt:

        „Weit mehr als die 8,50h. Arbeitet ein Mitarbeiter nun aber mehr als er muss, 50h, dann rutscht er darunter. Wir haben keine Zeiterfassung, müssten nun aber eigentlich eine einführen, um genau das zu verhindern.“
        Geht es dabei nicht um die nominellen Arbeitsstunden, die im Vertrag stehen? Dann bräuchtest du keine Erfassung.

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        • tom174 schreibt:

          nope. Überstunden gehören daz. Momentan gibt es sogar den Vorschlag von Nahles, dass die Arbeitgeber bei allen Gehältern bis 3000Eu/Monat die Arbeitszeiten dokumentieren muessen.

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  2. djadmoros schreibt:

    @tom147:

    Hmm … eigentlich sage ich ja nichts anderes als Du auch. Deine Schilderung mittelständischer Verhältnisse glaube ich Dir gern, und zu diesem Punkt habe ich auch eingeräumt, dass Schmidt der Wahrheit noch am nächsten kommt.

    Ich bin selbst Freiberufler (aber keiner, der nach Gebührensätzen bezahlt wird), und insofern sind Marktprozesse das Wasser, in dem ich schwimme. Was ich in meinem Umfeld immer wieder mitbekomme, sind fragwürdige Einflüsse höherer Management-Ebenen auf Investitions- und Personalentscheidungen, die nicht von Sachkenntnis oder Nachhaltigkeit geprägt sind, sondern von der alleinigen Orientierung an Kennzahlen, die im Rahmen des Finanzkapitalismus den Marktwert und die Aktienprognose des Unternehmens beziffern sollen.

    Das sind Investitions-, Personal- und Umstrukturierungsentscheidungen, deren Sinn sich der Belegschaft nicht mehr erschließt, weil sie von der Entwicklungs- und Produktionsebene her nicht mehr nachvollziehbar sind. Es herrscht allerorten, um es als Oxymoron zu formulieren, »the American concern for the long run«.

    Für mich persönlich kann das sogar von Vorteil sein, weil ich als Freelancer die Flexibilitätswünsche von Firmen bediene. Aber mit einer gesamtwirtschaftlichen Rationalität, wie sie uns von den marktreligiösen Lobbies als Heilige Vorsehung gepredigt wird, hat das meines Erachtens nichts mehr zu tun.

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  3. James T. Kirk schreibt:

    Der Tom ist ja ein FDP-Mensch.

    Das, was Admoros schrieb, habe ich mir gleich gedacht, ganz ohne den Artikel von Schmidt gelesen zu haben. Leider wird mit der berechtigten Kritik an linkem Blödsinn häufig das Herunterbeten von rechtem Blödsinn verbunden. Man muß da souverän und zu beiden Seiten hin gleich kritisch sein.

    Zu Stuttgart21 ist z.B. zu sagen, daß der Volksentscheid erstens knapp war, Volkes Meinung also durchaus von den Grünen widergespiegelt wurde, und zweitens auf falschen, manipulierten Zahlen der Bahn beruhte. Es hätte bei ehrlicheren Zahlen also auch durchaus anders laufen können.

    Zur Marktfrage: Das ist ebenfalls vielschichtig. Es soll hier nicht geleugnet oder ausgeschlossen werden, daß es überregulierte Marktbereiche gibt. Daß aber ganz wesentliche Bereiche wie der Finanzsektor zu wenig reguliert sind, steht für mich außer Frage.

    Der Markt ist ein Fetisch. Man kann nicht nur an Karl Marx glauben, sondern auch an Adam Smith. Beides sind Irrwege.

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