Gender Gap Report

Etwas verspätet, aber ich schreibe das hier mal auf weil leider damit zu rechnen ist, dass dieser Blödsinn in einem Jahr wieder überall verbreitet wird.

Das World Economics Forum (WEF) veröffentlicht jedes Jahr den Global Gender Gap Report, der die Ungleichheit der Geschlechter auf der Welt erfassen soll. Der Bericht enthält ein Ranking aller Staaten dieser Erde, was für die Medien ein gefundenes Fressen ist weil man da nicht recherchieren sich solche „Rennergebnisse“ gut als Nachrichten verkaufen lassen.

Im Herbst 2016 ließen sich die Medien völlig ironiefrei zu Schlagzeilen wie „Geschlechter-Graben: Warum Österreich hinter Malawi zurückfiel“ oder „Gleichstellung: Österreich auf Rang 36 abgestürzt“ hinreißen. Schlimmer als in Malawi ist es hier, in einem der reichsten Länder der Welt, kein Wunder, dass wir da noch weitere 170 Jahre brauchen, bis endlich Gerechtigkeit herrscht!

Dieses Ranking könnte absurder nicht sein, wird aber trotzdem ohne den geringsten Zweifel selbst in Qualitätsmedien verbreitet. Oder ist es zu viel verlangt zu erwarten, dass ein Journalist zumindest mit der Stirn runzelt, wenn Ruanda im Ergebnis unter die Top 10 kommt, Deutschland aber nirgendwo zu finden ist?

Wenn man sich aber den Bericht genauer ansieht muss man erkennen: es ist noch viel schlimmer.

Es beginnt schon bei der Selbstbeschreibung auf der offiziellen Seite:

Through the Global Gender Gap Report, the World Economic Forum quantifies the magnitude of gender disparities and tracks their progress over time, with a specific focus on the relative gaps between women and men across four key areas: health, education, economy and politics.

(Hervorhebung von mir)

Die Behauptung, dass der Fokus auf den relativen Unterschieden zwischen Männern und Frauen läge, ist falsch. Tatsächlich liegt der Fokus ausschließlich auf der Benachteiligung von Frauen. Das ergibt sich aus der Berechnungsmethode, die dem Ranking zu Grunde liegt:

To capture gender equality, two possible scales were considered. One was a negative-positive scale capturing the size and direction of the gender gap. This scale penalizes either men’s advantage over women or women’s advantage over men, and gives the highest points to absolute equality. The second choice was a one-sided scale that measures how close women are to reaching parity with men, but does not reward or penalize countries for having a gender gap in the other direction. We find the one-sided scale more appropriate for our purposes, as it does not reward countries for having exceeded the parity benchmark.

(Hervorhebung von mir)

Mit anderen Worten: sie verwenden eine Berechnungsmethode, die nicht den relativen Unterschied zwischen Männern und Frauen, sondern ausschließlich die Benachteiligung von Frauen beachtet. Der Bericht berechnet für eine Reihe von Kriterien eine Verhältnisgröße, die den Grad der Gleichheit zwischen Männern und Frauen angeben soll. Der Wert 1 entspricht dabei absoluter Gleichheit. Werte unter 1 entsprechen einem Nachteil, über 1 einem Vorteil für Frauen. Werte über 1 werden aber nicht übernommen, sondern fließen als 1 in die Reihung ein.

Nochmal zum Mitschreiben: wenn für ein Bewertungskriterium festgestellt wird, dass Frauen gegenüber Männern im Vorteil sind, dann tut der Bericht so als ob in diesem Kriterium absolute Gleichstellung herrschen würde. Und als ob das nicht reichen würde wird zum Teil auch noch mit geschätzten Zahlen gearbeitet.

Ein Beispiel: Im Parlament eines Landes sitzen 20 Frauen und 80 Männer, was ein Verhältnis von 25% ergibt da vier mal so viele Männer wie Frauen im Parlament sind. Die Verhältnisgröße ist somit 0.25.

Wenn im selben Parlament 80 Frauen und 20 Männer säßen, würde das ein Verhältnis von 400% ergeben, da vier mal so viele Frauen wie Männer im Parlament sind. Die Verhältnisgröße wäre somit 4. Da 4 aber mehr ist als die absolute Gleichstellung wird stattdessen 1 angenommen.

So richtig perfide wird das Ganze aber erst, wenn man sich den Einfluss der durchschnittlichen Lebenserwartung ansieht: je früher die Männer eines Landes sterben, desto gleichberechtigter sind dort die Frauen.

Tabelle C11 im Bericht von 2016 enthält das Teilergebnis, das auf der Lebenserwartung beruht. So unterentwickelte Länder wie z.B. Kanada kommen dort nur auf Rang 117, während das paradiesische Angola auf dem ersten Platz liegt. Dass Frauen in Angola 27 Jahre vor den Kanadierinnen sterben ist egal, relevant ist nur dass sie dort ihre Männer um 3 Jahre überleben. Mali ist in dieser Tabelle letzt, weil dort die Frauen 2 Jahre vor den Männern sterben – obwohl sie auch dort länger leben als in Angola.

TL;DR

Wenn in einem Land in 9 von 10 Kriterien Frauen gegenüber Männern besser gestellt sind, zeigt der Gender Gap Report trotzdem, dass dort noch keine Gleichberechtigung erreicht wurde. Denn der einzig relevante Faktor ist der eine, der Frauen im Nachteil sieht. Selbst wenn in einem Land Frauen mehr verdienen würden als Männer, die Mehrheit der Regierung stellen und sämtliche Vorstandspositionen inne hätten – dieses Land würde trotzdem nicht die Bestnote erhalten wenn die Männer dort nicht früh genug sterben.

Und das wird dann vom WEF als Gleichstellungsbericht verkauft. Wer mir das nicht glaubt kann es selbst nachlesen.

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
Dieser Beitrag wurde unter Feminismus, Männerrechte, Statistik veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Gender Gap Report

  1. Matze schreibt:

    Wie hier:

    Wenn Frauen mehr verdienen ist das nicht etwa auch etwas schlechtes. It is only sexist when men do it. Feministisches Gleichberechtigungs 1×1

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    • Matze schreibt:

      In Baharin, Swaziland, UAE, und Nigeria leben Frauen und Männer beiden gleich viele Jahre. Liegen alle auf Rank 138. Es gibt 4 Länder die noch einen schlechteren Rank haben.

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  2. netsmurf schreibt:

    Zur Lebenserwartung: In den vereinten Arabische Emiraten haben Männer und Frauen die gleiche Lebenserwartung von 67 und das ergibt den Rang 138.

    Gefällt 1 Person

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