5000 Jahre der Verachtung

Von Anhängern der modernen feministischen Religion bekommt man immer wieder zu hören, dass Frauen über einen geraumen Zeitraum in der Vergangenheit, sagen wir mal gerundet 5000 Jahre, von Männern zwecks Machterhalt und wasweißich unterdrückt wurden. Das ist ein oft verwendetes Argument von Feministen, um „jetzt mal den Spieß umzudrehen“. Gerade habe ich es wieder bei Alles Evolution gelesen, was mich dazu brachte mal niederzuschreiben was ich davon halte.

Ich halte dieses Argument für unglaublich Anmaßend, für eine Entmündigung und Verachtung unserer eigenen Vorfahren. Denn es impliziert, dass über die vergangenen 5000 Jahre unsere Mütter, Großmütter, Urgroßmütter und alle vor ihnen nicht in der Lage waren, sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen. Dass es in dieser ganzen Linie der Generationen keine einzige Frau gegeben haben soll, die stark genug war um sich selbst gegen ihren Mann zu behaupten. Und es bedeutet, dass jetzt wir als ihre Kinder, Enkel und Urenkel gleichsam als Erzieher in die Vergangenheit auf unsere Eltern, Großeltern und Urgroßeltern zurückblicken und mit erhobenem Zeigefinger und gebotener Strenge das zurechtbiegen, was sie alle so falsch gemacht haben. Und so erheben wir uns auf einem moralischen Podest über unsere Vorfahren, die sicher froh darüber sind.

Dabei wissen wir nicht mehr, wie die Zeiten waren. Wir wissen nicht mehr, was damals wichtig war und warum unsere Vorfahren so handelten. Stattdessen glauben wir es zu wissen und stülpen wir die Ideale unserer modernen Gesellschaft über die Vergangenheit, bemessen das Leben unserer Familie von vor 300, 500, 3000 Jahren an den Idealen und Normen der Neuzeit.

Denn sicherlich galt damals Erwerbstätigkeit schon als Selbstverwirklichung, und nicht als Notwendigkeit. Sicherlich träumten die Frauen der Frühzeit von dem Prestige, das mit dem Erlegen von Beutetieren einhergeht – sie wurden nur von den Männern nach Hause geprügelt, weil die das Prestige für sich allein haben wollten. Sicherlich galt damals ein von der Mutter behütetes Lager als purer Luxus für den Mann damit der Faulpelz sich am Abend vors Lagerfeuer legen kann, und nicht als absolut Überlebensnotwendig für Kinder und Sippe. Sicherlich blickten die Männer mit Verachtung auf Frauen und Kinder, wenn sie am Abend erschöpft – und mit etwas Glück auch mit Nahrung – nach Hause kamen, nachdem sie am Morgen auf ihrem Selbstverwirklichungstrip die Familie schutzlos zurückgelassen hatten, damit sie nicht verhungerten.

Und sicherlich verspürten die Frauen den sehnlichsten Wunsch nach Unabhängigkeit aus dieser ewigen Tretmühle der männlichen Unterdrückung. Sicherlich hatten sie keine Möglichkeiten, sich irgendwie durchzusetzen wenn es Streitereien gab – immerhin hatte der Mann ja Kraft und Waffen, und Frauen keinen eigenen Willen. Sicherlich verspürten die Frauen damals auch keinen Stolz, wenn sie es wieder geschafft hatten, die Sippe allein durchs Jahr zu bringen, wo doch die Männer immer auf ihren Jagdausflügen unterwegs waren und sich sonst um nichts kümmerten.

Und wahrscheinlich galt damals wie Heute die Selbstverwirklichung zum Erreichen der eigenen Ziele mehr als die Selbstaufgabe zur Sicherung des Überlebens der Gemeinschaft.

Wie war die Welt doch ungerecht, was haben unsere Vorfahren doch nicht alles falsch gemacht und dabei gerade mal nur das Nötigste geschafft – unser Überleben. Diese Pfeifen.

Kommt, den Spieß drehen wir jetzt um.

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Über Martin Domig

Uh yeah. THAT guy.
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6 Antworten zu 5000 Jahre der Verachtung

  1. elmardiederichs schreibt:

    Willkommen in der Blogosphäre! 🙂

    Es freut mich sehr, daß du explizit vorhast aus einer humanistischen Perspektive zu schreiben.

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  2. Andere Zeiten erfordern andere Regeln. Das ist in der Tat etwas, was viel zu wenig beachtet wird.

    Viel Spass beim bloggen!

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  3. Fx schreibt:

    Dazu passt dieses Interview:

    „Wir“ gewinnt
    Hat sich der Mensch seit Ötzi verändert? Sind Männer oder Frauen das starke Geschlecht? Ein Gespräch mit dem Zoologen und Evolutionsbiologen Josef H. Reichholf über Partnerwahl, Paarung und Paschazwänge
    http://www.welt.de/print/die_welt/vermischtes/article13109906/Wir-gewinnt.html

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  4. anonym schreibt:

    sehr gut geschrieben

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  5. Step II schreibt:

    Denn es impliziert, dass über die vergangenen 5000 Jahre unsere Mütter, Großmütter, „Urgroßmütter und alle vor ihnen nicht in der Lage waren, sich gegen Ungerechtigkeiten zur Wehr zu setzen. Dass es in dieser ganzen Linie der Generationen keine einzige Frau gegeben haben soll, die stark genug war um sich selbst gegen ihren Mann zu behaupten.“

    Es ist ein zutreffender Gedanke.
    Hierzu 2 Aspekte, die in unterschiedliche Kontexte einordbar sind

    1. zeigt sich hierin die Fortführung der 68ger Hybris, die sich ja auch auf einer höheren moralischen Stufe sah als die Eltern-/ Vätergeneration. Der Gedanke wäre dann eine Kritik der Fortführung dieser Haltung bis in „graue Vorzeiten“

    2. zeigt es eine ideengeschichtlich verortbare Form der Kritik an dem Selbstverständnis der MODERNE (und deren Fortschrittsbegriff), die trotz technischer Fortentwicklung die ethische Weiter/Höherentwicklung des Einzelnen/des Individuums negiert.

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  6. Pingback: Der Sinn des Lebens? | Flussfänger

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